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Kolumne „Nine to five“ : Rauchzeichen aus der Zugtoilette

Ein verrauchtes Zug-WC mag mancher als unbenutzbar empfinden - daher herrscht auch hier strenges Rauchverbot. Bild: dapd

Rauchwölkchen darf bei der Bahn heutzutage nur noch die Diesellok ausstoßen. Nikotinsüchtige Geschäftsreisende haben es schwer. Die Mitreisenden zuweilen auch.

          Der Marlboro-Mann wusste es: Reisen haben mit Herausforderungen und Abenteuern zu tun. Doch der Cowboy mit Glimmstengel ist heute nicht mehr Held der Prärie, sondern Relikt einer verschwindenden Kultur. Geschäftsreisende Raucher müssen sich wie der Marlboro-Mann von heute fühlen – erst recht auf Fahrten mit der Bahn. Wenn sie nach erfolgreichem Ritt zum Ziel Wölkchen ausstoßen, ernten sie verächtliche Blicke von Mitreisenden. In die gelb umrandete Sonderzone auf dem Bahnsteig tritt außer ihnen nur der Bahnmitarbeiter. Und wenn Geschäftsleute vor dem Ziel zwischen Signal- und Weichenstörung festhängen, dürfen sie keine Rauchzeichen geben – schon gar nicht in der Prärie des Großraumwagens.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wölkchen darf bei der Bahn unterwegs nur noch die Diesellok produzieren, das ist seit mehr als einem Jahrzehnt mit Rauchverbot so. Weil es aber die Marlboro-Männer der Geschäftsreisewelt noch immer gibt, kommt es regelmäßig „aus gegebenem Anlass“ zu ermahnenden Durchsagen, dass auch das stillste Örtchen zwischen Wagen eins und 14 „kein Rauchersalon“ sei. Gesteigert wird dies durch Drohungen: „Sollte sich das wiederholen, wird sich das auf die Pünktlichkeit des Zuges auswirken.“ Man hätte vermutet, dass der Übeltäter am nächsten Halt ausgesetzt und angezeigt wird, nicht aber, dass der Zug das Tempo drosselt.

          In Online-Foren diskutieren die Marlboro-Männer der Züge, ob sie durch Kaugummis, Mundwasser, Raumdüfte und andere Accessoires die Eskalation unterwegs vermeiden können – ergebnislos. Auch neumodisches Raucherzubehör wie E-Zigaretten, die keinen Tabak verbrennen, sondern Flüssigkeiten verdampfen, schützen nicht vor Repression. Ein Mann sah dies erst ein, nachdem ihm sämtliche Geschäfts- und Beförderungsbedingungen laut vorgelesen worden waren.

          Geteiltes Leid ist halbes Leid

          Außerdem ist der Reisende nicht überall so unbeobachtet wie der Marlboro-Mann in der Prärie. So durchfuhr die Fahrgäste eines aus österreichischen Wagen gebildeten Zugs minutenlang ein ohrenbetäubendes Piepen. Als es verstummte, folgte die Durchsage, dass dies der Feueralarm gewesen sei. Ein Melder hatte angeschlagen und das stille in ein lautes Örtchen verwandelt.

          In ihrer Not sind die rauchenden Geschäftsreisenden aber nicht unbedingt allein. In ihren Kreisen erzählt man sich jedenfalls: Wenn das Schloss der Zugtoilette klappert und aus dem sich öffnenden Türspalt ein Wölkchen entweicht, sei durchaus nicht immer der Geschäftsreisende der Marlboro-Mann. Vielmehr sei dort bisweilen auch der Schaffner gesichtet worden.

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