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Kolumne „Nine to five“ : Kollegin Biggi verbittet sich das

Die Vorteile der Personalisierung schlagen leicht um. Bild: Frank Röth

Die Ansprache mit dem Namen schafft Nähe zu Kunden und Kollegen. Man kann es aber auch leicht übertreiben.

          Eine eiserne Verkaufsregel beschwört eine vertrauensbildende Maßnahme: Wer den Kunden und Geschäftspartner direkt mit seinem Namen anspricht, der schafft Nähe, auch wenn man einander nicht kennt. „Hallo, Herr Schmidt“, höre der werte Herr Schmidt deutlich lieber als ein allgemeines, anonymes, unbestimmtes „Hallo, Sie da“. Der Name als Markenartikel versus No Name: Die Regel ist schlicht, mit Blick in die Kundendaten kinderleicht umsetzbar. Manchmal wirkt die Anrede geradezu ein wenig unheimlich, wenn personalisierte Werbebriefe in die Wohnung flattern und Online-Angebote nie kontaktierter Hersteller mit unserem Vor- und Nachnamen aufploppen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Ärgerlicherweise lässt sich die Sache mit der Namenserwähnung leicht übertreiben. So wie das die auserwählten Mitarbeiter übereifrig praktizieren, seitdem sie auf die Vertriebsfortbildung durften. Sie üben jetzt auch hausintern, und es hallt über die Flure: Birgit, kannst du mir den Vorgang heraussuchen? Birgit, ich brauche mal deine Einschätzung. Birgit, erreiche ich dich morgen? Birgit, hast du die Liste aktualisiert? Birgit, schau doch mal auf meine Kalkulation. Birgit, dein Wortbeitrag war schön! Birgit, lass uns einen Kaffee trinken gehen!

          Nicht nur Birgit wird es ganz doll im Kopf. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dame mit einer Art trotzigem Stolz einen elend langen Doppelnamen trägt, der – nun ja – kurios klingt, reichlich Umlaute enthält und bei inflationärem Gebrauch geradezu aggressiv macht. Zum Glück duzt man sich in dieser Abteilung. „Danke, ich weiß, dass ich Birgit heiße!“, bremst die genervte Frau die penetrante Personalisierung aus. Als sie einer „Biggi“ nennt, endet das in Schreierei. Was zu viel ist, ist einfach zu viel!

          Unschlagbar in der Disziplin der permanenten Namensnennung sind übrigens mehr oder weniger frischgebackene Eltern. Die scheinen derart stolz auf Nachwuchs und Namensfindung zu sein, dass es über die Spielplätze und durch die Supermärkte dieser Republik Emilia-Carlotta hier, Emilia-Carlotta da schallt. Ein Opfer des Direktmarketings ist der kleine Finn, dessen Super-Pädagogik-Papi diese vier Buchstaben hinter jeden Satz an seinen Sohn plaziert. Und natürlich vergeht auch kein Kantinengespräch ohne mindestens fünf Erwähnungen von Finn.

          Menschenskinder, Mensch Kollege, lasst uns doch mal in der breiten Masse untergehen! Zu viel Nähe kann auch schädlich sein.

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