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Kolumne „Nine to five“ : Zugedröhnt bei der Arbeit

  • -Aktualisiert am

Wer am Morgen mit 100 Dezibel aus dem Bett geblasen wird, denkt nur an eines: Rache! Bild: dpa

Im Herbst gibt es besonders rabiate Ruhestörer, die den gemeinen Büromenschen ständig von der Arbeit abhalten. Mit mehr als 100 Dezibel blasen Hausmeister das Laub aus dem Weg - und jeden geordneten Gedanken aus dem Kopf.

          Kennen Sie Eduard Mörikes Frühlingsgedicht „Er ist’s“? Es lässt sich derzeit wunderbar umwidmen: „Herbst lässt sein buntes Laub wieder segeln wie Gekröse, unerträglich laut’ Getöse ist der Nerven letzter Raub.“ Denn leider sind nicht nur Motorradgangs dieser Tage hochmotorisiert. Nein, auch Hausmeister, Pardon, „Facility Manager“, arbeiten nur noch mit schweren Maschinen - und das soll, bitteschön, auch jeder mitbekommen.

          Wenn sie um sieben Uhr morgens den Dienst antreten müssen, dann ist es nur gerecht, wenn auch der Rest des Wohnblocks wach ist. Wenn ein mit mehr als 100 Dezibel rüde aus dem Bett geblasener Anwohner nach einer halben Stunde den letzten Versuch aufgibt, sich die Ohren mit dem Kopfkissen zu verstopfen, und müde in die Küche tapst, um Kaffee zu kochen, herrscht plötzlich wieder himmlische Stille - der rabiate Ruhestörer macht Frühstückspause.

          Kaum auf der Arbeit angelangt, sägt, Entschuldigung, bläst, der Gebäudemanager des Firmengeländes munter weiter an den Nerven des nun Berufstätigen. Zwar verfügt die Arbeitsstätte zum Leidwesen aller Mitarbeiter nur über drei Grünstreifen in Handtuchgröße vor der Tür mit je einer mickrigen Birke darauf. Doch das genügt, um motorisiert darüber hinwegzufegen und den unbändigen Arbeitseifer auch akustisch kundzutun.

          Mit 1000 Watt ist der Igel ganz fix weggepustet

          Selbst am Wochenende ist dem armen Arbeitnehmer im Herbst keine ruhige Minute vergönnt. Denn auch sein Anrainer hat sich im nahen Baumarkt aufgemotzt und das neueste Modell geholt. Warum sich den Rücken mit Muskelkraft krumm harken, wenn die Blätter mit durchgedrücktem Kreuz und 1000 Watt ganz fix zusammengepustet sind?

          Dass dabei ordentlich Staub auf- und Insekten durcheinandergewirbelt werden oder das derart aufgeräumte Unterholz kein gutes Winterquartier mehr für den Igel ist, der bis letztes Jahr noch gerne zu Gast war, stört nur den naturverbundenen Nachbarn. Der klaubt sein Laub aus Umwelt- und Ohrschutzgründen noch klassisch mit dem Rechen zusammen und braucht dafür zehnmal so lange.

          Doch die Stunde des Rächers naht! Die Natur als Komplize hat dem motorisierten Mitbürger gegenüber in der Nacht einen Marder in den Schuppen geschickt. Kleinlaut steht der Nachbar am nächsten Morgen vor der Tür, die Reste eines angenagten Kabels anklagend in den Händen haltend: „Kann ich mir mal deinen Rechen leihen?“

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