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Kolumne „Nine to five“ : Wie sie’s auch macht

Immer im Stress: Musterfrau aus dem Karrierekatalog der Arbeitswelt 4.0 Bild: Picture-Alliance

Erfolgsfrau, Vorzeigefrau, Supermutter und lässige Bewohnerin einer gestylt-gemütlichen Wohnung. So sieht sie aus, die Musterfrau. Und wehe, wenn nicht!

          Wie hätten Sie sie denn gerne, die Musterfrau aus dem Karrierekatalog der Arbeitswelt 4.0? Erfolgsfrau, Vorzeigefrau, Supermutter und nach lukrativer Selbstverwirklichung lässige Bewohnerin einer gestylt-gemütlichen Wohnung, in der sich der Rassehund haarfrei zwischen zwei, drei gut geratenen Kindern auf der Couch lümmelt. Bevölkert wird der telegene Minikosmos ebenso von einem smarten Partner.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Was für ein Blaupausen-Blödsinn! Fabelhafte Märchenminuten, in einem Werbestudio sagenhaft inszeniert. Die Frage ist nur: Wer lebt so? Solche Bilderbotschaften träufeln ins Hirn: Heute ist für jede Frau alles Erdenkliche möglich, sogar gleichzeitig. Sie muss halt nur zugreifen. Aber wohin sie auch greift, was sie auch als richtig für ihr Leben mit oder ohne Mann, mit oder ohne Vollzeitstelle, mit oder ohne Nachwuchs, mit oder ohne Hund wählt – sie wird dafür immer bewertet, kritisiert, komisch angeschaut, mal mitleidig, mal neidisch, mal bewundernd, meist latent misstrauisch.

          Rabenmutter, das harte deutsche Wort, Nur-Hausfrau, das böse deutsche Wort, hinein in die Teilzeit-und-Armutsfalle, heraus aus dem Jammertal der 24-Stunden-allzeit-bereit-Überforderung. Hat sie einen Karrieremann an ihrer Seite und startet selbst durch, sind das zwei auf dem Egoistentrip. Hat sie einen Hausmann an ihrer Seite, der ihr den Rücken freihält, ist sie mit einem Waschlappen liiert. Ins Gesicht sagt ihr das niemand. Recht kann sie es ohnehin keinem machen.

          Das wiederum macht die Entscheidung federleicht: Einfach mal als Mensch mit mal mehr, mal weniger Power ausgestattet, je nach Lebensphase (ja, die Kinder sind quietschmobil und fordernd, ja, die eigenen Eltern werden immobil und ebenso fordernd) das tun, was sie tun möchte. Sie ganz persönlich, ungeachtet äußerer Umstände. Ob naturbelassene Veganerin oder make-up-affine Geschäftsreisende oder irgendetwas dazwischen. Wie sie auch lebt, es scheint verkehrt, und jeder darf sie frech kritisieren. Das zu erkennen befreit ganz ungemein. Hoch lebe die Vielfalt der Lebensentwürfe. Die andere ist anders. Und das ist gut so.

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