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Kolumne „Nine to five“ : Sternenhimmel statt 5 Sterne

Camper auf einem Parkplatz bei der Messe in Düsseldorf. Bild: dpa

An Messetagen eine erschwingliche Unterkunft in Deutschen Großstädten finden? Fehlanzeige. Da heißt es zuweilen sogar: Ab auf den Campingplatz!

          Eigentlich sollte eine Messe, bei der sich fast alles um Freizeit und Erholung dreht, der Quell für Inspiration oder ein Hort der Entspannung sein. Doch die Realität auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin sieht anders aus. An überfüllte Züge und Restaurants während der ITB-Tage sind Besucher ja gewöhnt. Ärgerlich wird es allerdings dann, wenn es um die Suche nach einer erschwinglichen Unterkunft im Stadtgebiet geht. Egal, dass vor Monaten gebucht wurde und die Schlafstätte in einer Pension kaum den Standard eines Hostels erreicht - die Preise, die Berliner Betreiber für ITB-Gäste aufrufen, erreichen mit einer Verdoppelung des ansonsten üblichen Hotelpreises einsame Höhen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Preistreiberei in der Hauptstadt, die mehr Hotelkapazitäten als Manhattan vorhält, fällt bundesweit sogar noch moderat aus. Richtig teuer wird es, wenn das Gesetz des freien Marktes in anderen Messestädten zum Zuge kommt: Ob es um die IAA in Frankfurt, die Industriemesse in Hannover oder auch die Spielwarenmesse in Nürnberg geht - dort ist es fast unmöglich, Betten zu finden, deren Preise sich gegenüber der Vorwoche nicht verdreifacht oder vervierfacht haben, fördern Stichproben zutage. Vielen Ausländern, vor allem Amerikanern und auch Asiaten, wird deshalb der Besuch einer deutschen Messe zu teuer.

          Privatwohnungen und Camping

          Wer deshalb auf fallende Preise hofft, irrt gewaltig. Er unterschätzt das Beharrungsvermögen der Hotellerie. Auf den Schwund an Besuchern reagieren ausgerechnet jene Betreiber zögerlich, die ohnehin keine auskömmlichen Margen mehr erwirtschaften. Sie setzen auf den „schnellen Euro“ während einer Messe.

          Manche ITB-Besucher reagieren auf die Abzocke, indem sie auf private Wohnungsvermittler ausweichen. Andere wurden in der Nähe des Messegeländes mit ihrem Wohnwagen gesichtet. Auf einem war neulich zu lesen: „Lieber Sternenhimmel als 5 Sterne am Hotel“. Eine Kampfansage.

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