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Kolumne „Nine to five“ : Mut zum Goldstrand

Einfach nach Bulgarien? Hut ab, wenn das einer zugibt! Bild: Reuters

Die Hamptons, Apulien, Schlössertour durch Pommern - wer wohin in den Urlaub fährt kann im Kollegenkreis zum Wettbewerb um das spannendste, teuerste, hippste Ziel ausarten. Zeit für ein bisschen Mut und Ehrlichkeit!

          Wohin fahrt ihr dieses Jahr? Die Frage klingt nach erlesener Harmlosigkeit, birgt aber Fallstricke. Der Berufseinsteiger und Nachbarssohn windet sich. Als Student war das Abhängen an der Adria mit Campingkocher-Spaghetti noch hip. Dieses Jahr reicht das Budget für Kroatien, Papas Passat wird bis zum Anschlag vollgestopft.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Aber ist so eine Zeltreise repräsentabel? Hatte man nicht in der internen Kommunikation etwas Launiges darüber gelesen, dass die Herrn Geschäftsführer es unter den „Hamptons“ nicht machen? Auf dass ein klitzekleiner, kennedyscher Mythoshauch ins oberbayerische Gewerbegebiet weht?

          Für puderfeine Ostküstenstrände reicht es zwar gehaltstechnisch bei den anderen Kollegen nicht. Dennoch machen deren Reisen etwas her, wie die Höher-schöner-weiter-teurer-Diskussion zeigt, zu der sich das harmlose Feriensmalltalkthema hochjazzt: Die Kleinfamilie hat eine Schlössertour durch Pommern gebucht, „ganz individuell auf den Spuren unserer Vorfahren“. Ein anderer hat ein Wohnmobil gechartert: Apulien, wir kommen! Einer fliegt nach Island, lässig anmerkend, dass das ja „längst kein Geheimtipp“ mehr sei. Krethi und Plethi haben die Koffer gepackt.

          „Beton-Albtraum, aber klasse Pools“

          Richtung Osten zieht es den Kollegen für Qualitätssicherung, der im Urlaub so gar nicht auf kulturelle Qualität achtet, dem es aber im Traum nicht einfällt, die repräsentativen Ferienträume anderer zu leben. „Wir haben Bulgarien gebucht, Beton-Albtraum, aber klasse Pools.“ Und „all inclusive“ habe sich schon Pfingsten an der türkischen Riviera bewährt, referiert er die Faszination des Schrecklichen. Bei Gluthitze müsse keiner in Kultur machen, da gebe es keine Sehenswürdigkeiten. Nur manchmal störe die Clubmusik.

          Dafür falle der Meine-Villa-meine-Limousine-mein-Wunderkind-Wettbewerb buchstäblich ins Chlorwasser. „Das ist ein anderes Publikum. Entspannt total!“, bekräftigt der Mann, der sich ein arrogantes Grinsen nicht verkneifen kann, als er sieht, wer so alles heimlich den Goldstrand googelt. Der Nachbarssohn ist nachhaltig beeindruckt. Seine Vorfreude auf Kroatien macht er jetzt öffentlich.

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