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Kolumne „Nine to five“ : Katholik zu vermieten

Ein guter Katholik kann bei der kirchlichen Trauung die Feier retten. Bild: dpa

Schulfreund Martin war früher mal Messdiener. Er weiß, wann man während einer Messe „Amen“ sagt und nestelt mit der Hostie nicht unsicher herum. Warum das sogar zum Geschäftsmodell werden könnte.

          Schulfreund Martin ist ein gefragter Mann, genauer, er ist gerngesehener Hochzeitsgast. Seine katholische Kernkompetenz bringt ihm lukrative Aufträge ein. Theoretisch. Praktisch hat er sich noch nicht buchen lassen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Neulich bei der Trauung Bekannter. Was das Fest aller Feste überschattete: Der Auftritt der Gäste in der Zwiebelturmkirche ließ zu wünschen übrig. Sie waren verhaltensunsicher, blieben stehen, als sie sich setzen sollten, kannten weder Rituale noch Lieder.

          Martin, als Messdiener gut katholisch sozialisiert, kennt sich aus und sang zur Erleichterung des Kantors „Großer Gott, wir loben dich“ lautstark mit, sprach textsicher das „Vater unser“, sagte „Amen“, wenn es angebracht war, nestelte mit der Hostie nicht unentschlossen herum und wurde für den leicht angesäuerten Pfarrer zum Rettungsanker in der überforderten Schar Karaoke-Katholiken.

          „Da fällt man doch vom Glauben ab“

          Beim Champagnerempfang sprach ein aufgeregtes Pärchen Martin an: Sie hätten für ihr Event schon die Kirche reserviert („Wahnsinnslocation, gibt Superbilder!“), aber wie ihre 200 Gäste „mit Kirche wenig zu tun“. Ob sie ihn buchen können als eine Art Vorbeter, Vorsinger, halt als jemand, „der sich in der Szene auskennt“. Sonst würde es ja nichts mit der Stimmung! Apropos, einen Schluck Wein, den müsste es doch für jeden geben, nicht nur für den Mann am Altar. Am Honorar solle es nicht scheitern. Ihr DJ nehme für den Abend 300 Euro. „Wären 150 Euro für dich okay?“ Martin lehnte ab, höflich, aber erschüttert, „da fällt man doch vom Glauben ab“.

          Später waltet wieder sein Humor. Er entwirft ein erbauliches Berufsbild mit folgendem Anzeigentext: Rent a Catholic. Halleluja statt Hossa. Sie wollen es katholisch krachen lassen? Prayback statt Playback - ich bin ihr Animateur fürs Atmosphärische, der Allerbeste für religiöse Feste. Biete: profunde Kenntnisse kirchlicher Rituale, Vorbildfunktion, buchbar für Hochzeit, Kinderkommunion, Taufe, Beerdigung. Portfolio erweiterbar für evangelische Interessenten. „Wetten, ich würde gebucht?“ Keiner der Freunde wollte dagegenhalten.

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