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Kolumne „Nine to five“ : Jogi statt Yoga

  • -Aktualisiert am

EM-Tippspiele im Büro: Wissen sie denn nicht, was sie da tun? Bild: Michael Kretzer

Jetzt fluten wieder jede Menge EM-Tippspiele die Büros. Wie ärgerlich, wenn die Kollegin gewinnt, die sich sonst eher für Yoga oder Bauch-Beine-Po im Fitness-Studio interessiert.

          Wissen sie denn nicht, was sie tun? Welche Gefahren sie heraufbeschwören? Offenbar nicht. Denn eins ist sicher: Jetzt, da die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich läuft, werden wieder jede Menge Tippspiele die Büros fluten und Millionen Beschäftigte in Aufruhr versetzen. Ob Polen die Gruppenspiele übersteht, Spanien nur bis ins Viertelfinale oder doch ins Halbfinale kommt und wen Deutschland im Endspiel zerlegt - Fragen wie diese werden über Schreibtische und Flure hinweg und quer durch Kantinen heiß diskutiert. Am Ende wird das geballte Nicht- und Fachwissen ins firmeninterne EM-Tippspiel eingespeist. Und damit fängt der ganze Schlamassel an.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar klingen viele Beobachter dieses Wett-Wahnsinns hoffnungsfroh: Eine PR-Agentur mit dem sehr passenden Namen Stammplatz trällerte dieser Tage, es sei doch toll, dass nun wieder Millionen Arbeitnehmer zu Bundestrainern, zu kleinen Jogi Löws würden und derartige Tipprunden die Arbeitsatmosphäre verbesserten; und der Digitalverband Bitkom flankierte, dass laut einer neuen Umfrage während der EM 18 Prozent der Internetnutzer ihr Glück bei Online-Tippspielen oder Online-Wetten versuchen - bei der Fußball-WM 2014 seien es nur 6 Prozent gewesen. Aber während die Online-Tipper harmlos sind, können die Büro-Tipper Unheil anrichten.

          Sollte man mit Kollegen überhaupt Wettkämpfe bestreiten?

          Denn wenn der nette Kollege von nebenan, der zwar sehr umgänglich ist, aber von Fußball nicht die geringste Ahnung hat, am Ende die Tipprunde gewinnt, ist das kein Plus für die Arbeitsatmosphäre, sondern schwer zu verkraften. Das Gleiche gilt, wenn die Kollegin, die sich sonst eher für Yoga oder Bauch-Beine-Po im Fitness-Studio interessiert, plötzlich das Ergebnis von Portugal gegen Island richtig tippt. Kurzum: Leute, die nicht wissen, was passives Abseits ist, oder vom richtigen Laufweg beim Gegenpressing keine Ahnung haben, sind als Gewinner in solchen Tipprunden schwer vermittelbar. Dummerweise landet diese Sorte Mitspieler immer wieder sehr weit vorne.

          Das rührt an die Frage, ob man mit Kollegen überhaupt Wettkämpfe bestreiten soll. Alles, was über das rein Berufliche hinausgeht - Fußballspiele nach Feierabend, Skatrunden in der Pause und Ähnliches -, trägt die Gefahr der Eskalation in sich. Denn schlechte Verlierer sind rein statistisch zwar eine unbekannte Größe, aber es dürfte sie reichlich geben. Nicht nur während der EM.

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