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Kolumne „Nine to Five“ : In die Tonne der Bedeutsamkeit

Umzüge im Büro sind anstrengend, aber auch erleichternd. Bild: Cornelia Sick

Wenn Mitarbeiter ihre Einsatzorte oder Schreibtische im Unternehmen wechseln, geht vieles schief. Neben den Tücken gibt es aber auch etwas positives.

          „Morgen ziehe ich Sie um!“ Schon ist die Dame abgerauscht. Die traut sich was, in Me-Too-Zeiten, so kess zu reden. Anstatt über die geballte Energie dieser aufgeräumt wirkenden Frau nachzudenken, widmen sich die Kollegen dem Kistenpacken. Das Büro zieht um. Es gibt viel zu tun. Entrümpeln befreit, entschlackt Schreibtische wie Gedanken und fördert Erstaunliches zutage.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Die Rede ist nicht von Reiswaffelresten in Kramfächern: Hinter abgebauten Regalen segeln Kündigungsschreiben hervor, die jemand verbergen wollte, wohl einer, der sein Geld unter der Matratze lagert. Zerlesene Illustrierte, vom Surfmagazin bis zum Klatschheftchen quellen hervor. Harmlos im Vergleich zum Schwall ungeöffneter Kundenanfragen, die ein Faulpelz versteckt hatte.

          Restposten in den Schubladen

          Auch die Abteilung Romantik lässt grüßen: In Schubladen klemmen ausgedruckte Mails vom hübschen Typen des Auswärts-Seminars, die Fortbildung fokussierte sich nicht nur auf Fachliches. Viel Futter für die Datenschutztonne. Die ist zwar juristisch relevanten Papieren vorbehalten, allein deren Bereitstellung erfüllt uns mit einem Gefühl von Bedeutsamkeit; auch Privatzeugs wandert hinein.

          Statt über die Mehrarbeit zu motzen, berauscht sich das Team an der ausgefeilten Organisation, der De- und Remontage, den Fragen zu Leasinggeräten, Verplombungen, Schallschutzproblemen und wackligen Toilettensitzen. Die wuselige Umzugsdame hat für alles eine Lösung parat, sie rät zum Sicherheitskit (Zeitplaner, Telefonnummern, Laptop im Handgepäck), kümmert sich um die IT und pflegt als Großkundin einen klasse Draht zu Handwerkern. Keiner strandet in Telefonschleifen, es wird verstöpselt, geräumt und gemalert, dass es eine Freude ist. Funktionieren im neuen Domizil, feierlich „Zielliegenschaft“ genannt, Computer und Kaffeemaschine, sei die Stimmung stabil, versichert die Umzugsplanerin.

          Kraftakt mit 241 Kartons

          Blitzschnell hat sie auch geschätzt, wer wie viele Kartons füllen wird, und würzt das mit Anekdoten. Zum Beispiel von der eifrigen Sekretärin, die Kartons sparen wollte und derart viele Aktenordner hineinpackte, dass der Boden schon im Treppenhaus barst. Mit uns ist sie zufrieden, wir füllen nicht bis zum Anschlag.

          Weniger gute Noten gab es für den Starmusiker mit Abo auf Allüren. Er beharrte darauf, rauchend über die Flure des Konzerthauses zu ziehen. „Die neuen Rauchmelder müssen abgeschraubt werden“, brüllte er den Dienstleister an. „Aber subito!“ Im Vergleich dazu sind unsere 241 Kartons wenig Rauch um viel.

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