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Kolumne „Nine to five“ : Gib mir ein F! Oder ein Y!

  • -Aktualisiert am

Wofür das B. in Johannes B. Kerner steht? Richtig: Baptist! Bild: dpa

Für die große Karriere braucht es einen klangvollen Namen. Wenn die Melodie aus Vor- und Zunamen nicht ganz harmonisch klingt, gibt es einen Trick! Glauben Sie nicht? Fragen Sie mal Johannes B. Kerner!

          Die Amerikaner hatten es mal wieder als Erste kapiert: Für die große Karriere braucht es einen klangvollen Namen. Und wenn die Melodie aus Vor- und Zunamen noch nicht so ganz harmonisch klingt, gibt es einen Trick: den zweiten Vornamen, veredelt als Initial. John Kennedy - das hörte sich unvollendet an. Erst das betonte F. dazwischen machte den Namenszug zur Ikone.

          Ganz so weit brachte es einer seiner Nachfolger zwar nicht, aber das W. (vulgo: Dabbelju) geriet immerhin zum hervorstechendsten Unterscheidungsmerkmal zwischen George Bush Junior und Senior. Und James T. Kirk steckte für sein Land gleich den Claim in den unendlichen Weiten des Weltraums ab.

          Auch deutsche Visitenkarten erlebten einst ihre Initialzündung: Der Ökonom Klaus F. Zimmermann gehörte in den Anfangsjahren der Schröder-Kanzlerschaft zu den einflussreichsten Wissenschaftlern der Republik; Michael A. Roth machte nicht nur als mehrmaliger Präsident des 1. FC Nürnberg von sich reden, sondern auch den geschichtlich vorbelasteten Zweitnamen Adolf zum Anfangsinitial seines Teppichimperiums Aro; und erst durch den Aufstieg des Moderators Johannes B. Kerner lernte Fernseh-Deutschland, dass man durchaus denselben Namen tragen kann wie eine evangelische Konfessionsfamilie, nämlich Baptist.

          In vielen Fällen gibt es nichts mehr abzukürzen

          Doch mittlerweile steckt der zweite Vorname in ernsten Schwierigkeiten. In Zeiten, in denen sich selbst Konzernchefs am liebsten mit aufgekrempelten Ärmeln und schlipslos im Kreise ihrer Mitarbeiter ablichten lassen und sich damit rühmen, mit den meisten längst per Du zu sein, ist die Namensetikette perdu. Schlimmer noch: In vielen Fällen gibt es gar nichts mehr abzukürzen. Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, verfügen drei Viertel der Deutschen nur noch über einen Vornamen. Und wer dennoch einen zweiten trägt, verschweigt ihn in der Regel konsequent. Vorbei die Zeiten, in denen man automatisch den Rufnamen des Paten im eigenen Pass und damit ein Leben lang mit sich herumtrug, auch wenn dieser noch so aus der Zeit gefallen schien. Heute heißen die Neugeborenen mit Erstnamen wieder Karl, Hans-Heinrich oder Georg - was soll dahinter schon noch kommen?

          Kreativität ist also gefragt, liebe Eltern, schließlich geht es um die Karriere ihres Kindes. Ein bisschen Individualität beim Zweitnamen schadet nicht, man muss sich schließlich später aus der Masse abheben. Als Kind im Fußballverein tut sich der kleine Michi sicher leicht. Jahre später fehlt Michael Müller aber vielleicht doch das gewisse Etwas zum Aufstieg nach ganz oben. Es muss ja nicht gleich Yoda sein, aber Yannick klingt doch gut.

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