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Kolumne „Nine to five“ : Gedanklich schon sehr weit

Ein Macher oder ein Zauderer? Für die Kollegen ist diese Frage ganz entscheidend. Bild: dpa

Solche Umstandskrämer gibt es immer wieder: Zauderer, Zweifler, fürchterlich komplizierte Menschen. Diese Kollegen haben die Langsamkeit zum Arbeitsprinzip erhoben. Oh je!

          Es gibt Macher, die aufblühen, wenn Auftragswellen über sie schwappen und das Vorweihnachtsgeschäft brummt. Sie fühlen sich beschenkt, berauscht und quicklebendig. Je hektischer die Zeiten, um so wuseliger legen sie los; falls mal etwas schiefläuft, fällt ihnen eine Lösung ein.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Und es gibt Umstandskrämer, Zauderer, Zweifler und fürchterlich komplizierte Menschen. Sie nähern sich Aufgaben mit Bedacht, sie eruieren erst das Umfeld, sie loten alle möglichen und unmöglichen Fallstricke aus – und kommen zu nichts. Diese Kollegen haben die Langsamkeit – gehässig könnte man von Lahmheit sprechen – zu ihrem Arbeitsprinzip erhoben. Unter Unternehmern sind sie nie zu finden oder nur vorübergehend bis zur Insolvenz. Mit drängenden Abgaben tun sie sich naturgemäß schwer. Wo bleibt die Kalkulation? Wann wird geliefert? Auf welchen Termin legen wir uns fest?

          Fragen über Fragen, die übergründlichen Zauderer bleiben die meisten Antworten schuldig. Ihre Eile-mit-Weile-Ergebnis-immer-offen-Schonhaltung kaschieren sie mit einer Durchhalteparole, dem vagen Verweis, „gedanklich schon sehr weit“ zu sein. In ihren diffundierenden Gedanken haben sie das Problem erkannt, nicht gebannt, sondern sind intensiv dabei, es in seiner Tiefe zu durchdringen. In diesem komplexen Prozess möchten sie von lästigen Praktikern nicht gestört werden. Resultate? Was für ein profaner Aspekt! Der Weg ist das Ziel, und das wird heute nicht erreicht, morgen und übermorgen aber auch nicht. „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“, diese Erich-Kästnersche-Ermahnung haben sie schon oft ge- und überhört.

          Kluge Leitwölfe ignorieren diese unvollendete Arbeitsweise nicht und nehmen die Theoretiker in die Zange der Prozesskette: mit klaren Anweisungen und kleinen Aufgaben, die sie fristgerecht weiterzuleiten haben. Um schwere geistige Kost durchzukauen, bleibt die Mittagspause – als Denkpause. Mahlzeit!

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