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Kolumne „Nine to five“ : Flaschengeister ziehen um

Pfandflaschen sammeln sich allzu gern mal im Büro an. Bei Kollege Müller war es etwas ausgeufert. Bild: dpa

Müller sollte in ein Büro auf der anderen Seite des Flurs umziehen. Oh Schreck! Es gab da ein Problem: In seinem Schrank versteckte er etwas, von dem nur sein derzeitiger Büronachbar wusste...

          Müller hatte einen Schrank in seinem Büro. Darin gab es Kleiderbügel, an denen man morgens seine Jacke aufhängen konnte. Oder ein Jackett deponieren, falls man mal einen unerwarteten, offiziellen Termin hatte. Seit einiger Zeit aber mochte Müller den Schrank nicht mehr öffnen. Die Jacke hängte er morgens über seinen Schreibtischstuhl. Denn im Schrank verbarg sich ein Geheimnis.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das Geheimnis teilte Müller mit Meier, seinem Büronachbarn. Leider. Meier wusste Bescheid, weil er weiterhin tagtäglich seine Jacke in den Schrank hängte. Müller war das peinlich, aber die beiden sprachen nicht darüber. Besser so.

          Na klar, auch Kollege Meier hatte seine Schwächen. Die Papierstapel zum Beispiel, die immer die komplette eine Hälfte seines Schreibtisches einnahmen, so dass die gar nicht benutzbar war. Oder der Umzugskarton, der schon seit Jahren hinten links im Eck stand und irgendwelche Sachen enthielt, die Meier aus seinem Berliner Büro mitgebracht hatte.

          Eines Tages bekam Müller eine erschreckende Nachricht. Er würde sein Büro verlassen müssen und auf die andere Seite des Flurs ziehen. Oh je! Er musste dringend dafür sorgen, dass durch den Umzug sein Geheimnis nicht ans Licht kam.

          Mineralwasserflaschen - große, kleine, grüne, blaue, durchsichtige!

          Aber es war zu spät. Die Chefsekretärin kam noch am selben Tag bei Müller vorbei. Sie besprachen Schreibtisch- und Regalpositionen, legten die Größe des neuen Bildschirms fest und die Anzahl der Rollcontainer für das neue Büro. Und dann passierte es: Die Chefsekretärin fragte: „Wie viel Stauraum hatten Sie denn immer hier?“, und öffnete beherzt den Schrank. Mehrere Dutzend leere Mineralwasserflaschen quollen ihr entgegen, große, kleine, grüne, blaue und durchsichtige. Etliche fielen heraus und landeten auf ihren Schuhen. Zum Glück waren sie aus Plastik!

          Beschämt nutzte Müller seine Mittagspause und brachte Teile des Schrankinhalts zum nächstgelegenen Supermarkt. Leer war der Schrank danach noch immer nicht. Von dem Wert des Pfandbons kaufte Müller seinem Büronachbarn eine Schachtel Abschieds-Pralinen. Er würde Meier vermissen. Er wusste: Ein Geheimnis war bei ihm immer super aufgehoben.

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