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Kolumne „Nine to five“ : Festival der Denkblockade

Wer hat einen Geistesblitz? Bild: Picture-Alliance

Einen echten Gedankensturm sollen sogenannte Brainstorming-Runden auslösen; manchen Kollegen graut aber vor der Vorstellung. Ideen wie auf Knopfdruck produzieren – geht das überhaupt?

          Heute ist Brainstorming-Konferenz. Krüger möchte am liebsten schwänzen. Für ihn ist das ein Denkblockadenfestival mit Ansage, wie er im Freundeskreis ätzt. Brainstorming – ein wüster Gedankensturm, der Schneisen geistiger Verwirrung schlage. Die Gedanken sind frei, aber wehe, wenn sie losgelassen ... Der Theologe legt nach: „Das ist eine Bühne für Selbstdarsteller, die gerne zeigen, dass sie vor Ideen sprühen, aber viel Wind um wenig oder nichts machen. Sie tun so, als ob sie ein Feuerwerk der Gedanken entzünden, ohne inhaltliche Substanz. Ideen auf Kommando lassen sich nicht erzwingen.“

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nicht vom Dominanten, der wie ein Tornado alles überwalzt. Die Trennschärfe zum Dummschwätzer sei schwer auszumachen. Auch nicht vom Luftikus, Prototyp der Brainstorming-Anhänger: Diese Geselligen fühlen sich quicklebendig, wenn wild diskutiert wird, und scheuen vor keinerlei Quatsch zurück.

          Ab und zu, räumt Krüger ein, komme bei diesem Unfug sogar etwas Tragfähiges heraus. Wenigstens gebe es meist was zu lachen. Nur nicht beim Schweiger, bei dem herrscht immer geistige Windstille. Amüsanter präsentiert sich der Nachplapperer. Um überhaupt einen Redebeitrag zu leisten, hängt er sein Fähnchen gerne nach dem Wind. Seine nicht vorhandenen Ideen läutet er rituell ein mit dem Wie-mein-Vorredner-schon-erläutert-hat-Satz. Er ist der Ventilator, produziert keine neue Luft, nicht einmal ein laues Lüftchen, sondern verteilt nur die schon vorhandene.

          Riesendonnerwetter – oder reinigendes Gewitter?

          Übler ist der Missgünstige, der Ideen der anderen zerredet und jedem Geistesblitz ein Riesendonnerwetter folgen lässt, deklariert das als reinigendes Gewitter, verdreht Worte und theatralisch die Augen und beschert dem Moderator viel Arbeit. Letzteren sieht Krüger als Fels in der Brandung, der jedem Sturm standhalten muss, aber nicht alles abprallen lassen darf.

          „Ich fühle mich durch das Gewirbel in meinem Denken gehindert“, beharrt Krüger. „Dafür brauche ich strahlenden Sonnenschein in meinem Hirn für eine klare Sicht und keinen trüben Nebel im Kopf.“ Seine guten Ideen fallen ihm allein ein, irgendwann und irgendwo, aber immer irgendwie. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Umgesetzt werden sie gemeinsam. Das gibt Krüger, ohne nachzudenken, zu. Brummelnd und ein wenig kleinlaut.

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