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Kolumne „Nine to five“ : Es lebe der Business-Knigge

Hand drauf: Von jetzt an duzen wir uns! Doch wann genau ist das angebracht? Bild: dpa

„Sie können Du zu mir sagen“ - wann ist dieses Angebot im Berufsleben angebracht? Und wann bleibt man besser beim „Sie“?

          Der Robert hatte noch Manieren: So lange siezte er die jungen Kollegen, wie sie in Abhängigkeit von ihm waren. Sobald die feste Anstellung kam, bot er von sich aus das „Du“ an. Das fanden die Jungen natürlich toll. Jetzt waren sie in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen. Doch einen Haken hatte die Sache: Der Robert hatte eben Manieren. Und früher, als er die gelernt hatte, musste das Angebot bei zwei Personen derselben Hierarchiestufe noch von der Frau ausgehen. Deshalb duzte der Robert die jungen Männer. Den jungen Frauen dagegen blieb die Aufnahme in den Kreis der Eingeweihten verwehrt - bis sich bei seinem Abschied eine der Kolleginnen ein Herz fasste und ihm stellvertretend für die anderen Frauen das Du anbot.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Es gibt kaum ein Fettnäpfchen im beruflichen Alltag, in das man leichter tappen kann. In Zeiten der Globalisierung, der Digitalisierung und des allgemeinen Gleichbehandlungsgebots mischen sich Traditionen; für die jüngere Generation sind alte Regeln ohnehin obsolet. „Die Verunsicherung ist groß - auch wegen des weitverbreiteten ,Brigitte-Wissens‘“, sagt Anke Quittschau, die für die Haufe-Akademie Schulungen zum richtigen Umgang im Berufsalltag anbietet. Der Business-Knigge ist heutzutage nicht mehr geläufig. Gut zu wissen, dass es jemanden gibt, der die Regeln kennt und sie auch gern an andere weitergibt.

          „Gesundheit“ darf man auch noch sagen!

          Wie verhält es sich also mit dem Duzen? Ist die alte Schule noch gültig, oder hätte der Robert auch von sich aus das Du anbieten können? Seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz beschlossen wurde, ist die Ansage klar: Es darf keine geschlechtlichen Unterscheidungen mehr geben. Also duzt der- oder diejenige, der ranghöher ist. Wechselt eine neue Sekretärin in die Abteilung, die einem anderen Kollegen nicht unterstellt ist, bietet dieser als dienstälterer das Du an. Einem Kollegen im Streit das Du zu entziehen, widerspricht jeder Form - und dass ein Mitarbeiter nach einer Beförderung seine Untergebenen zum Siezen zwingt, geht gar nicht. Darf man allerdings ein angebotenes Du ablehnen? Bietet es der Chef an, lieber nicht. Aber im Lieferanten-Kunden-Verhältnis kann es nach der Knigge-Expertin sinnvoll sein, damit nicht der Verdacht aufkommt, ein Zulieferer werde wegen des guten persönlichen Verhältnisses bevorzugt.

          Tückisch ist es in angelsächsischen Unternehmen, in denen nur der Vorname zählt. Trotzdem sollte man sich den Nachnamen merken, wenn man mit anderen über die Person spricht. „,Der Michael‘ zu sagen ist total unprofessionell“, sagt Quittschau. Und übrigens: „Gesundheit“ darf man auch noch sagen!

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