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Kolumne „Nine To Five“ : Ein Bayer unter Schweizern

  • -Aktualisiert am

In Zürich lässt es sich aushalten. Bild: dpa

Eine Weile im Ausland arbeiten, ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Wer sich gut vorbereitet, den erwarten auch meist keine bösen Überraschungen. Alles kann man aber dann doch nicht vorhersehen.

          In unserer globalisierten Arbeitswelt ist es völlig normal, im Ausland zu arbeiten – und sei es nur für kurze Zeit. Ein Arbeitsaufenthalt in Übersee oder wenigstens einem europäischen Nachbarstaat macht sich schließlich auch im Lebenslauf gut. Wer bewiesen hat, dass er sich außerhalb der Muttersprache verhandlungssicher verständigen und auch mit Kunden anderer Kulturkreise umgehen kann, dem werden fast schon automatisch Attribute wie Flexibilität, Belastbarkeit oder Stressresistenz zugeschrieben. Manchmal hat der Tapetenwechsel allerdings profanere Gründe als den Wunsch nach neuen Herausforderungen oder einem Karriereschub.

          So ist beispielsweise vergangenen Herbst ein befreundeter Ingenieur der Liebe zu einer Schweizer Ärztin wegen von München nach Zürich verzogen. Ein Kulturschock war nicht zu erwarten – dachte er zumindest. Das Naturell der Freundin war seit eineinhalb Jahren bekannt, ebenso das von Familie, Freunden und etlichen Eidgenossen, die er im Laufe seiner zahlreichen Besuche schon kennenlernen durfte.

          Exgüsi!

          Alle waren freundlich und höflich; auch das Schwyzerdütsch war ihm schnell einigermaßen geläufig. Der unternehmensinterne Wechsel war abgemacht, das Vorstellungsgespräch reine Formsache. Es verlief gut, die neuen Aufgaben klangen interessant, die Vorgesetzten sympathisch. Fast schon aus der Tür wurde noch ein kleines Büchlein überreicht: „Ein kleines Willkommensgeschenk – zur Völkerverständigung sozusagen.“

          Zu Hause angekommen, nahm der Jungingenieur das Werk mit dem Titel „Exgüsi – Ein Knigge für Deutsche und Schweizer zur Vermeidung grober Missverständnisse“ näher in Augenschein. Schnell wurde klar: Der neue Arbeitgeber wollte auch ein grobes Missverständnis vermeiden – als humorloser Schweizer dazustehen! Denn das von Klischees über laute, arrogante und rücksichtslose Deutsche durchzogene Bändlein kann einfach nicht ernst gemeint sein. Ansonsten müsste es wohl eher von den Schweizer Autoren heißen: Exgüsi!

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