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Kolumne „Nine to five“ : Doktorspiele im Fernstudium

  • -Aktualisiert am

Exklusive Einblicke ins Medizinstudium per Whatsapp? Ja gerne, aber... Bild: dpa

So ein Medizinstudium ist ungeheur spannend. Wer könnte da wegschauen, wenn ein Doktor in spe exklusive Inhalte in einer Whatsapp-Gruppe teilt?

          Nach einem Ausflug in die Medienbranche hat sich ein Freund entschlossen, sein unterbrochenes Medizinstudium wiederaufzunehmen. Seitdem hält er den Freundeskreis in einer Whatsapp-Gruppe regelmäßig über seine Lernfortschritte auf dem Laufenden. Gemeinsam hat man schon den nervenaufreibenden ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung hinter sich gebracht, Lerntipps gegeben, angefeuert und Trost gespendet. Nun geht es in die Famulatur, also ins Mediziner-Praktikum.

          Die Kommilitonen im Geiste verfolgen die Statusberichte mit unterschiedlichen Gefühlsregungen. Die eher zartbesaitete Juristin schüttelt es immer wieder, wenn es um drastische Schilderungen anatomischer Details geht. Der Rettungssanitäter, der seit sieben Jahren auf seinen Medizin-Studienplatz wartet, ist neidisch, dass er es noch nicht bis ins Studium geschafft hat. Die Psychologin sieht sich darin bestätigt, dass ihr Fachgebiet wirklich das Richtige für sie gewesen ist, tendierte sie nach dem Abitur doch zunächst in Richtung Psychiatrie.

          Keiner kann wegschauen - oder?

          Was alle Freunde gemein haben: Sie können nicht wegschauen. Es ist wie bei einem Autounfall. Eigentlich sollte man nicht hinsehen, aber die Neugierde siegt doch. Schließlich ist Medizin eine faszinierende Disziplin, und wann erhält man schon derart exklusive Einblicke in den Ausbildungsalltag eines künftigen Arztes? Der einem zudem selbst schon bei dem einen oder anderen Durchhänger in der eigenen Ausbildung verständnisvoll zur Seite stand? Auch ist es durchaus praktisch, bei eigenen kleinen Wehwehchen erst einmal den Doktor in spe zu konsultieren, ob er nicht Rat weiß.

          Und oft gibt es ja auch Grund zum Schmunzeln. Etwa als der Medizinstudent ein Selfie von sich schickt, auf dem eine seiner Pupillen riesig ist. „Ich seh grad etwas unscharf.“ Zwinkersmiley. Die Erklärung: Die Kommilitonen üben gerade, den Augenhintergrund zu spiegeln. Dafür muss die Pupille mittels einiger Augentropfen erweitert werden. Klar übt man das der Einfachheit halber an sich selbst. Nett auch die Episode, als die Freundin des Noch-Studenten ihm einen Notizzettel in Form eines Herzens auf die Darstellung des Brustkorbs im Anatomiebuch geklebt hat.

          Von einem Tag auf den anderen ist allerdings Schluss mit dem Interesse - Herr Doktor in spe grüßt aus der Proktologie. „Heute üben wir erst an einer Puppe und dann an einem Schauspieler eine Rektaluntersuchung.“ Schlagartig tippen alle den Befehl „Gruppe verlassen“ in ihr Smartphone. Danke, das genügt.

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