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Kolumne „Nine to five“ : Doch nicht jetzt, Schatz!

Ständig diese Privatgespräche im Büro! Bild: dpa

Der Sohn ruft im Büro an und will Tipps für die Mathe Hausaufgaben, die Kollegen whatsappen und facebooken fröhlich vor sich hin. Das kann doch nicht so weitergehen. Oder, Chef?

          Kollegin Schulze war besorgt. Schon wieder hatte vorhin ihr Jüngster auf dem Büroapparat angerufen, weil er Tipps für die Mathe-Hausaufgaben haben wollte. Sie mochte es nicht, auf der Arbeit private Telefonate zu führen. Wenn der Chef das mitbekommt! Umgekehrt schrieb der Chef zwar ständig E-Mails nach Feierabend und schien auch damit zu rechnen, noch eine Antwort zu bekommen. Ob er es aber gutheißen würde, wenn sie sich am Telefon während der Arbeitszeit ihren elterlichen Pflichten widmete? Bestimmt nicht.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Sie fand es auch unverantwortlich, was Kollegin Schmidt da so trieb. Am Morgen war sie an ihrem Büro vorbeigegangen, um die Kopien vom Sitzungsprotokoll abzuliefern, da war Schmidt gerade munter auf ihrer Facebook-Seite unterwegs. Die hatte zwar schnell das Fenster zugeklickt, als sie hereingekommen war, aber Schulze hatte es genau gesehen. Irgendwelche Chat-Nachrichten im Messenger hatte die Kollegin verschickt. Etwas mit „Yoga“ und „Schrittzähler“ hatte sie gerade noch entziffern können. Dienstliche Nachrichten waren das garantiert nicht. Riskant, riskant. Wenn das der Chef sehen würde!

          „Starren Sie nicht so!“

          Oder Müller erst. Der hatte zwar so eine Klausel im Vertrag, dass er mit dem Diensthandy auch privat telefonieren durfte. Aber durfte er deshalb während der Arbeitszeit ständig Whatsapp-Nachrichten hin und her schicken? Mitten in der Sitzung hatten da gestern gleich drei Meldungen aus dem „Hobby-Eisenbahnzirkel Mettmann“ aufgepoppt. Musste doch nicht sein. Fehlte gerade noch, dass er mal vergaß, den Ton für die Benachrichtigungen auszumachen. Das würde der Chef dann nämlich ganz sicher merken.

          Schulze seufzte. Sie musste gleich noch rein zum Chef. Der wollte das Sitzungsprotokoll nämlich auch noch haben. Samt verbaler Kurzerläuterung. Sie trat durch die Bürotür, die einen Spalt offen stand, da hörte sie den Chef fluchen. „Verdammt noch mal, dann mach ihr doch ein veganes Pausenbrot, der verwöhnten jungen Dame! Wegen deinem Anruf hab ich jetzt verpasst, dass ich mit dem Wolfgang zum Chatten verabredet war. Du weißt schon, jaja, die Golf-Sache.“

          Schulze stutzte. Telefonierte der etwa mit seiner Frau? Und was hatte der Chef da auf dem Bildschirm? „Hattrick“ las sie oben auf der Website, darunter eine Tabelle mit Fußballergebnissen. Der Mauszeiger des Chefs stand auf einer Partie, die gerade mit 2:0 geendet hatte. „Starren Sie nicht so, Frau Schulze“, maulte der Chef, als er aufgelegt hatte. „Der SV Steinberg hat mich gerade mal wieder beim Fußballmanager besiegt. Und meine Frau gibt auch keine Ruhe. Stressiger Tag heute, richtig stressig. Noch nicht mal Zeit hat man, sich zum Golfspielen zu verabreden!“

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