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Rechnung von Elitepartner : Der Preis der Liebe

In Großraumbüros kommt man schnell mal ins Gespräch. Bild: dpa

Weil Arbeitnehmer wegen Liebeskummer nicht ins Büro kommen, entstehe der deutschen Wirtschaft ein Milliardenverlust, rechnet die Partnervermittlung Elitepartner vor. Wie kommen die darauf? Die Kolumne „Nine to five“

          Das sind doch mal bahnbrechende Studienergebnisse: Jeder Dritte war schon mal in einen Kollegen verliebt und jeder Zehnte in den Chef. Um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, hat die Partnervermittlung Elitepartner keine Kosten und Mühen gescheut und 3789 „Singles und Liierte“ in einer bevölkerungsrepräsentativen Studie befragt. Dabei kam zum Beispiel auch heraus, dass im ersten Jahr einer Beziehung das Risiko besonders hoch ist, dass die Liebe dem Job zum Opfer fällt. Wollten Sie schon immer wissen, oder?

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Bei einem Umfrageergebnis dürften allerdings all jene aufgemerkt haben, denen am wirtschaftlichen Wohlergehen dieses Landes gelegen ist: Rund jeder Sechste (16,2 Prozent) gab zu Protokoll: „Ich bin schon einmal wegen Liebeskummer oder Streit mit dem Partner nicht zur Arbeit gegangen.“ Die Partnervermittlung rechnete flugs hoch – und kam schnell zu dem Ergebnis, dass der deutschen Volkswirtschaft ein Milliardenverlust durch Liebeskummer entstehe.

          Tücken der Online-Partnersuche

          Wie kommen die darauf? Ganz einfach: Die Macher der Studie treffen die Annahme, dass jeder der 16,2 Prozent Betroffenen genau einen einzigen Tag seines Lebens nicht zur Arbeit gekommen sei. Nach Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes ergeben sich den Rechnungen zufolge bei 40,61 Millionen Arbeitnehmern 6,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage, ein Produktionsausfall von rund 774 Millionen Euro und ein Verlust an Bruttowertschöpfung von rund 1,4 Milliarden Euro. Angeblich sei das sogar eine recht konservative Schätzung, schließlich könnten ja auch Personen dabei gewesen sein, die mehr als einen Tag lang liebeskrank und unproduktiv auf dem Sofa verweilten.

          Die Frage ist nur, liebe Studienautoren: Ist der Liebeskummer nicht nur die Spitze des Eisbergs in Sachen Arbeitsausfall? Was ist zum Beispiel mit den knapp elf Prozent Befragten, die zugeben, sich „in Büro, Werkstatt oder Lagerraum schon einmal anderweitig vergnügt zu haben“? Nicht auszumalen, was das an Arbeitszeit gekostet haben mag! „Ich spreche mit meinen Kollegen auch über meine Beziehung“ – fast 40 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage zu. Ja wann denn?

          Doch bestimmt nicht bloß mittags in der Kantine, sondern allzu oft während der kostbaren Arbeitszeit! Bloß gut, liebe Studienautoren, dass ihr nicht danach gefragt habt, wie viel Arbeitszeit die Befragten damit verdaddeln, auf Eurem Partnersuchportal nebenher das Angebot auf dem Heiratsmarkt zu scannen. Und wie viel Liebeskummer und neuer Arbeitsausfall durch gescheiterte Online-Partnersuche entsteht. Fast beruhigend macht es sich da aus, dass herauskam: Noch immer rund jeder Sechste flirtet gern am Arbeitsplatz – ganz analog.

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