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Kolumne „Nine to five“ : Abschied von der First Class

In der First Class: So reisten im Jahr 1965 noch relativ viele Fluggäste. Bild: dpa

Was waren das früher für Zeiten, als es in den Flugzeugen noch eine Drei-Klassen-Gesellschaft gab: Passagiere der ersten Klasse wurden hofiert wie im Nobelhotel. Heute wird das exklusive Reisevergnügen kaum noch nachgefragt.

          Es war das Zeitalter des Überschalljets „Concorde“, als Fliegen etwas Besonderes war und sich Passagiere der ersten Klasse noch wie Mitglieder eines elitären Zirkels fühlen konnten: Über den Wolken unter ihresgleichen und stets in gebührendem Abstand zu den nachrangigen (Flug-)Klassen. Dazu verwöhnt mit einem Service an Bord, der es mit den Nobelhotels in dieser Welt locker aufnehmen konnte.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gelegenheiten, in denen solche Kunden die Beletage der großen Passagierjets bevölkern, werden seltener. Das mag daran liegen, dass es im Zeitalter der Billigflüge die Nachfrage nach diesem exklusiven Reisevergnügen kaum noch gibt. In den vergangenen zwei Jahren sind 41 Prozent der Bundesbürger mindestens ein Mal im Jahr geflogen, heißt es in einer Branchenstatistik. Dabei machen berufliche Vielflieger, die häufiger als der Pauschaltourist reisen und dafür vorzugsweise Business- oder First-Class nutzen, gerade einmal sieben Prozent aus. Vor Jahren fiel diese Quote noch durchweg zweistellig aus.

          Nur noch wenige Spitzenplätze im Oberdeck

          Fluggesellschaften reagierten auf diesen Trend prompt. Selbst renommierte Anbieter haben nur noch wenige Spitzenplätze im Oberdeck oder vorderen Teil ihrer Langstreckenjets reserviert. Beim Gros der Fluggesellschaften indessen - ganz zu schweigen von den Billigheimern in Europa - wurde die Erste Klasse schon beizeiten ersatzlos gestrichen. Deshalb von der „Demokratisierung des Luftverkehrs“ zu sprechen, wie es unlängst ein Soziologe tat, wäre aber überzogen. Es ist das wirtschaftliche Kalkül, das viele Anbieter zur Abkehr von der traditionellen Drei-Klassen-Gesellschaft über den Wolken treibt.

          Wer den Ticketverkäufern in die Karten schaut, realisiert bald: Nur die wenigsten Fluggäste in der Ersten Klasse sind Vollzahler, die große Mehrheit sozusagen Trittbrettfahrer. Manager logieren hier, die dank der beruflichen Vielfliegerei den prestigeträchtigen „Hon-Circle“-Status (das ist der höchste Vielflieger-Status der Lufthansa) genießen oder aber auf diese Weise ihre über Jahre erworbenen Flugmeilen abfliegen. Für Luftfahrtstrategen ist klar: Mit dieser anspruchsvollen und statusbewussten Klientel ist auf Dauer kaum Neugeschäft zu machen. Um dennoch zahlungskräftige Luxusreisende nicht von Bord zu lassen, haben sich viele Gesellschaften eine neue Masche ausgedacht. Sie vermitteln ihnen Business-Jets. Auf diese Weise lässt sich das exklusive Reiseflair aus der guten alten „Concorde-Ära“ doch wieder zurückholen.

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