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Kolumne „Nine to five“ : Darf ich kurz stören?

  • -Aktualisiert am

Üben, üben, üben: Wenn die Musikschule neben dem Arbeitsplatz liegt, helfen nicht einmal Ohropax gegen die hohen Töne. Bild: dpa

Ob Musikschule oder Hähnchenbraterei: Es gibt akustische, aber auch olfaktorische Störelemente, die die Konzentration im Berufsleben erheblich beeinträchtigen können. Manchmal hilft dann nur die Flucht.

          Der gemeine Arbeitnehmer hat, sofern er nicht ein schallgeschütztes und blickdichtes Einzelbüro bewohnt, täglich mit Ablenkungen aller Art zu kämpfen. Das beginnt in erster Linie im akustischen Bereich und reicht von der fauchenden Kaffeemaschine über die Radio hörende Kollegin bis zum lautstark dauertelefonierenden Mitarbeiter, dessen Handy zudem halbstündlich „It’s The Final Countdown“ von Europe plärrt, hat er doch wieder vergessen, es lautlos zu stellen, obwohl er als Leiter eines wichtigen Projekts, das bald eingetütet werden muss, ein gefragter Gesprächspartner ist.

          Diese Angriffe auf Arbeitsmoral und Konzentration können allerdings noch unter betriebsbedingte Belästigungen fallen. Freundlich, aber bestimmt darum zu bitten, den Lärm herunterzufahren – das ist immer möglich. Schwieriger wird es, wenn sich die Quelle der Störung außerhalb des Arbeitsplatzes befindet, kann dann doch weit weniger direkt Einfluss darauf genommen werden, dass sie endlich versiegen möge.

          So berichtet eine durchaus kinder- und musikliebende Rechtsanwältin aus dem Bekanntenkreis immer wieder von ihren Versuchen, das nachmittägliche Flöten- und Geigenspiel aus der Musikschule gegenüber aus ihrem Gehörgang fernzuhalten – leider ohne Erfolg. „Die hohen Töne durchdringen sogar Ohropax“, weiß sie zu berichten. Zum Glück nimmt sie die Angelegenheit (noch) mit Humor: „Wirklich wichtige Telefonate führe ich nur noch bei geschlossenem Fenster. Sonst denkt noch jemand, ich würde Katzen quälen.“

          Eau de Brathuhn

          Ein befreundeter Architekt stört sich hingegen eher an der Hähnchenbraterei, die unter seiner Arbeitsstätte Broiler brät – allerdings anders als gedacht: „Mich stört der Geruch nicht. Mich macht das nur immer so hungrig.“ Seine Kollegin, eine überzeugte Vegetarierin, bringt die Nachbarschaft allerdings immer wieder in Erklärungsnot, duftet sie bei Treffen mit Gleichgesinnten nach Büroschluss doch oft dezent nach Eau de Brathuhn.

          Olfaktorisch betrachtet, beneidet sie deshalb ihre Freundin, die als freie Grafikerin von zu Hause aus arbeitet. Deren Wirkungsstätte liegt nämlich über einem Waschsalon, aus dem es ausschließlich nach frischer Wäsche riecht.

          Getrübt wurde das Geruchserlebnis allerdings kürzlich, als ein Trockner in Brand geriet und Rauchschwaden durchs Treppenhaus zogen. Die Grafikerin hat nun Unterschlupf bei Freunden gefunden, bis der Salon renoviert ist. Die wohnen in der Nähe eines indischen Schnellimbisses – zum Glück weht der Wind meist aus günstiger Richtung.

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