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Kolumne „Nine to five“ : Kollegen im Kaufrausch

  • -Aktualisiert am

Will der etwa in ein Büro? Bild: dpa

Was ist die Königsdisziplin des Internet-Shoppings? Die Bestellung vom Dienstrechner aus. Während der Arbeitszeit. Mit Lieferung ins Büro.

          Wer heute zu spät zur Arbeit kommt, hat es leichter als früher. Früher musste man sich immer irgendwas einfallen lassen: Wecker kaputt, Bus verspätet, Parkplätze voll, solche Sachen. Das konnte glauben, wer will. Inzwischen ist die Sache einfacher. Von Tausenden Pakettransportern aufgehalten worden – das glaubt jeder, denn es ist die schreckliche Wahrheit, ob für Autofahrer, Radler oder Passagiere in Bussen und Bahnen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Paketflut, ach was, dieser Pakettsunami kann auch das Arbeitsklima belasten. Man muss sich nur mal die Frage stellen, wer von den Kollegen dazu beiträgt, dass dieser ganze im Internet bestellte Krempel den Weg ins Büro verstopft. Schon ist das Misstrauen in der Welt. Und da man im Privaten keinem über die Schulter schauen kann, bleibt nur die Möglichkeit, jemanden in einer Königsdisziplin des Internet-Kampfshoppens zu überführen: der Bestellung vom Firmenrechner aus.

          Verboten ist das nicht immer, der Arbeitgeber kann hier beide Augen zudrücken. Er kann sogar erlauben, dass sich die Beschäftigten nach der Bestellung am Unternehmensrechner die Pakete auch an die Dienstadresse liefern lassen.

          Wieso ist der Kollege immer so picobello gekleidet?

          Und wer weiß, vielleicht gerät ja sogar die Geschäftsführung ab und zu ins Bestellfieber. Aber da wir das sowieso nie rausfinden werden, gilt der Blick den zugänglicheren Kollegen. Dem Jungfuchs von nebenan zum Beispiel: Ist immer einer der Letzten im Büro und, abgesehen davon, so was von picobello gekleidet – der bestellt doch bestimmt nach Feierabend wie irre von seinem Firmencomputer aus. Jede Wette!

          Oder die etwas ältere Kollegin, die in der Kantine immer erzählt, wie sehr sie Einkaufsstraßen hasse und dass sie – sehr verräterisch – in ihrer Freizeit kaum online sei: Wo soll sie denn ihre Klamotten alle herbekommen, wenn nicht durch Firmenshopping? Aber egal, die Grübelei macht einen ja ganz griesgrämig. Es ist wohl an der Zeit, mal einen Ratgeber „So bekämpfe ich Verfolgungswahn“ zu bestellen – ähäm – zu besorgen natürlich.

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