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Kolumne: „Nine to five“ : Ich bin doch nicht die Post!

  • -Aktualisiert am

Ein Paketbote liefert Sendungen aus Bild: dpa

Viele träumen vom Home-Office. Doch es ist nicht so einfach, konzentriert und ungestört in den eigenen vier Wänden zu arbeiten. Ständig klingeln die Paketboten.

          40 Prozent der Bundesbürger wünschen sich, unabhängig von Ort und Zeit arbeiten zu dürfen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt. Und dank Digitalisierung sei das auch in 40 Prozent der Berufe theoretisch möglich. Die SPD will das Recht auf Heimarbeit nun sogar gesetzlich verankern. Mehr Flexibilität, mehr Eigenständigkeit: Die Vorteile des Homeoffice werden von Befürwortern schließlich mannigfaltig gepriesen.

          Viele Freiberufler arbeiten indes schon längst von zu Hause aus. Dort können sie schalten und walten, wie es ihnen beliebt – so ist zumindest die romantische Vorstellung. Denn derart ungebunden sind auch freiberufliche Heimarbeiter nicht – im Gegenteil: Viele von ihnen sind schleichend wieder in ein festes Arbeitsverhältnis (ab)gerutscht! Denn ungewollt, unbemerkt und auch noch unbezahlt wurden viele von ihnen von Paketzustellern als Außenstellen akquiriert. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Heimarbeiter nicht durch ein schrilles Klingeln an der Tür aus seiner Konzentration gerissen wird. Der DHL-Bote, in Eile und verzweifelt, ist außer sich vor Freude, das Paket für die tagsüber abwesenden Nachbarn (die müssen schließlich arbeiten!) loszuwerden. Kaum hat sich der Heimarbeiter wieder seinem Werk gewidmet, läutet es abermals an der Tür – auch der Kollege der Konkurrenz hat sich schon gemerkt, wer tagsüber immer aufmacht.

          Die Wut auf die homeshopping-wütige Nachbarschaft wächst mit jeder Störung. Das Argument der Vielbesteller: Wegen des wachsenden Arbeitsaufkommens habe schließlich niemand mehr Zeit, selbst in den Laden zu gehen. Doch ist der Heimarbeiter zufällig selbst mal nicht zu Hause, landet das eigene Paket in der zwei Kilometer entfernten Postfiliale. Nach Feierabend und an Samstagen geht die Schlange einmal um den Block – Wartezeit nicht unter einer Stunde. Den schlechtbezahlten und ständig unter Zeitdruck stehenden Paketboten die Tür nicht mehr zu öffnen ist allerdings keine Alternative. Sie können ihre Arbeit schließlich nicht im Homeoffice absolvieren.

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