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Kolumne „Nine to five“ : Dr. Hausmeister

  • -Aktualisiert am

Den Doktorhut finden viele gut. Bild: dpa

Ob Dipl. Ing. oder Doktor: Die Deutschen schmücken sich gern mit ihren akademischen Weihen. Notfalls hilft auch der Gang vor den Altar.

          Seit Abschaffung der Adelstitel 1919 pflegen die Österreicher ein besonders inniges Verhältnis zu ihren akademischen und amtlichen Würden. Wenn schon „von“ und „zu“ als Adelsprädikate aus den Familiennamen gestrichen werden mussten, dann soll doch bitte schön das Bildungsbürgertum betont werden. Herr Hofrat ist im Kaffeehaus ein echter Würdenträger, Frau Magistra eine wahre Instanz.

          Ein befreundeter Wiener Politologe schwört sogar, dass seine E-Mails schneller und mit zufriedenstellenderem Ergebnis beantwortet werden, seit er Dr. phil. ist und diesen Titel auch in seiner digitalen Korrespondenz qua Signatur führt.

          Doch auch die Deutschen schmücken sich gern mit ihren akademischen Weihen. Besonders beliebt ist der Dipl.-Ing., steht er doch für echte deutsche Wertarbeit. Noch besser ist natürlich der Dr., denkt doch fast jeder an den Halbgott in Weiß, der Kranke heilt. Dass ein Träger dieses Titels nicht zwangsläufig Mediziner sein muss, hat sich aber spätestens seit der Plagiatsaffäre um einen ehemaligen Doktoranden der Juristerei auch in nichtakademischen Kreisen herumgesprochen. Ein Trost dürfte es dem Ex-Minister dabei immerhin sein, dass er nicht in Österreich lebt – denn dort hätte man ihm nicht nur den Dr. jur., sondern längst auch seinen Adelstitel weggenommen.

          So wird man ganz flott „Frau Doktor“

          Es promoviert sich jedenfalls nicht einfach so nebenbei. Wobei: Gerade in ländlichen Gegenden sollen es ja Hausfrauen noch immer recht leicht haben, zu einem Doktortitel zu kommen: Durch Heirat des Dorfmediziners werden sie ganz flott „Frau Doktor“. Das regte jüngst Hochzeitphantasien einer Bekannten an, deren Lebensgefährte vom Freistaat Bayern den schönen Titel „Regierungsbaumeister“ verliehen bekam. „Frau Regierungsbaumeisterin“ klingt aber auch wirklich grandios!

          Wie unverdorben ist da noch der kindliche Geist, für den Titel meist nur Schall und Rauch sind. So etwa der einer Viertklässlerin, deren ältere Schwester sich darüber ausließ, dass der beliebte Lehrer Dr. Schönfärber in die Parallelklasse gekommen sei. Die Replik der Jüngeren mit Blick auf die maroden Heizkörper der Schule: „Wieso, ist das der Hausmeister?“

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