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Kolumne „Nine to five“ : Nicht ohne mein Kopfkissen

  • -Aktualisiert am

Berater oder Außendienstler schlafen öfter in Hotels als in den eigenen vier Wänden Bild: dpa

Dauernd unterwegs: Viele Berufspendler halten gerade auf Dienstreisen an bewährten Ritualen fest. Ein paar Accessoires sind dafür unverzichtbar - manchmal auch absonderliche.

          Ob Berater, Vertriebler oder Vertreter: Es gibt sie da draußen, die Menschen, die öfter in Hotels übernachten als in den eigenen vier Wänden. Echte Profis haben deshalb immer ein paar Accessoires an Bord. Viele Kosmetikhersteller bieten etwa eine Armada an sogenannten „Raumdüften“ als Wässerchen, Duftkerze oder Spray fürs Kopfkissen an – damit jedes neue Hotelzimmer, wenn es denn schon nicht wie das eigene Schlafzimmer aussieht, wenigstens danach riecht.

          Apropos Kopfkissen: Der Kenner führt selbstverständlich sein eigenes, aus ergonomischem Kaltschaum, mit sich, um am Abend das strapazierte Haupt optimal stützen zu können. Von manchen Zeitgenossen ist sogar zu hören, dass sie ihre eigenen Handtücher in den Koffer packen – ihnen sind die weichgespülten Frotteewolken mancher gehobenerer Häuser einfach zu flauschig, ist man doch schon seit Kindertagen die kratzigen luftgetrockneten Bretter von Muttern gewohnt

          Hotelkunst meist fragwürdig

          Sehr interessant kann allerdings auch sein, was die Geschäftsreisenden nicht mitbringen müssen, sondern vor Ort vorfinden. So trieb eine der Aktionen, es sich im Hotelzimmer so hübsch wie möglich zu machen, unlängst auf der Geschäftsreise einer Mitarbeiterin einer großen deutschen Sendeanstalt pikante Blüten. Die Dame hat ein ästhetisch empfindsames Gemüt. Nur selten trifft die vorgefundene Hotelkunst ihren Geschmack. Deshalb hat sie es sich angewöhnt, wenig ansprechende Bilder für ihren Aufenthalt einfach abzuhängen.

          Bei der Aufzeichnung einer Sendung in einer rheinland-pfälzischen Großstadt fiel ihr dabei unlängst eine DVD in die Hand, die hinter den Rahmen eines Bildes geklemmt war. Der Film, so suggerierte es die Inhaltsangabe, war explizit nur für Erwachsene gedacht. Als sie ein weiteres Bild im Zimmer abhängte, fand sie auch dort eine Ausgabe derselben Baureihe.

          Wieder zurück im Sender, heckte sie mit einem Kollegen, der am nächsten Tag ebenfalls zwecks Aufzeichnung an den Main fahren sollte, einen Plan aus. Sie organisierten, dass der Kollege nicht nur im selben Hotel, sondern auch im selben Zimmer übernachtete. Aus dem breiten Fundus ausgemusterter DVDs des Senders wurden flugs eine Ausgabe der „Eisenbahnromantik“ und eine Dokumentation mit dem Titel „Jesus liebt dich“ ausgewählt und dem Kollegen ins Gepäck gepackt. Zurück vom Dreh, meldete der Kollege Vollzug. Der einzige Haken am Akt der Bekehrung, Menschen wieder für Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu begeistern: Die beiden werden nie erfahren, ob es geklappt hat.

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