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Fleischfrei Mittagessen : Die Kantinen-Not der Vegetarier

Pommes mit paniertem Etwas: Lecker geht anders. Bild: dpa

Wer kein Fleisch isst, hat es in deutschen Kantinen nicht leicht. Oft beschränkt sich die vegetarische Auswahl auf Beilagen oder ein Fertig-Etwas aus der Fritteuse. Geht das nicht auch anders? Die „Nine to five“-Kolumne.

          Dass die Grünen im Wahlkampf einen „Veggie-Day“ für öffentliche Kantinen ins Gespräch brachten, ist mittlerweile schon mehr als fünf Jahre her. Damals war die Partei noch weit davon entfernt, in der Sonntagsfrage die Union zu überholen. In der „Bild“- Zeitung hieß es damals zu dem Vorschlag: „Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!“ Und auch jüngst versuchte der FPD-Chef Christian Lindner mit diesem vermeintlichen Schreckensszenario den Grünen Sympathiepunkte abzuluchsen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Thema Fleisch bewegt die Deutschen. Wer Vegetarier ist und nicht gerade in einem hippen Szeneviertel lebt, wird schnell argwöhnisch beäugt. Und in deutschen Kantinen bleibt die Auswahl an fleischlosen Gerichten in der Regel gering.

          Nun verzichten nur die wenigsten Vegetarier auf Fleisch, weil sie es aus gesundheitlichen Gründen müssen. Die überwiegende Mehrheit schränkt sich freiwillig bei der Essensauswahl ein. Selbst schuld also, möchte man meinen. Allerdings verlangt auch längst nicht jeder eine fleischfreie Extra-Wurst oder traktiert jeden Schnitzel-Liebhaber in der Mittagspause mit vernichtenden Blicken. Viele Deutsche beteuern in Umfragen zudem, weniger Fleisch essen zu wollen.

          Beilagen statt Drei-Gänge-Menü

          Studien über die Schädlichkeit eines übermäßigen Fleischkonsums gibt es ja reichlich. Ist es da wirklich zu viel verlangt, eine vegetarische Alternative anzubieten, die nicht bloß ein schnell durch die Fritteuse gewandertes Fertig-Etwas ist, das dann meist klangvolle Namen wie „Möhrenschnitzel“, „Gemüse-Bratling“ oder „Brokkoli-Nussecke“ trägt?

          Jeder möge essen, was er will, keine Frage. Aber gerade deshalb stünde etwas mehr Auswahl in der Kantine manchem Unternehmen durchaus gut zu Gesicht. Stattdessen wird Vegetariern selbst auf schicken Abendveranstaltungen als Alternative zum opulenten Drei-Gänge-Menü bisweilen ein lieblos zusammengestellter Teller Beilagen serviert. Auf internationalen Kongressen ist noch immer gelegentlich von empörten indischen Delegationen zu hören, deren Mitglieder hungrig vom Tisch aufstehen, weil selbst der Salat noch mit Speckwürfeln dekoriert war.

          Entsprechend liest sich die Rangliste der beliebtesten Kantinenessen: Auf den Spitzenreiter Currywurst mit Pommes folgen Schnitzel und Spaghetti Bolognese; Kantinenkoma programmiert. Das droht freilich auch bei den Soja-Varianten dieser Hitgerichte – doch selbst die sucht man in den meisten Kantinen vergeblich. So wird den Vegetariern am Ende sogar ein ordentliches Mittagstief erschwert.

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