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Probleme im Büroalltag : Die Befreiung des Thunfischs

Für ein leckeres Abendessen, musste Kollegin A. Mut beweisen. Bild: Patricia Kühfuss

Am Freitagnachmittag um 17.30 Uhr besetzt doch niemand mehr einen Konferenzraum! Und wenn doch? Dann ist es schlecht, wenn dort Zutaten fürs Abendessen verstaut sind. Eine Erzählung.

          Es war Freitagmittag, Kollegin A. war in Wochenendstimmung. Ihr Mann und sie erwarteten abends Gäste; sie plante, etwas zu kochen. A. verbrachte die Mittagspause im Supermarkt und stolperte prompt über die schönsten Thunfischfilets! Sie kaufte eine stattliche Menge, die die Verkäuferin in ein unhandliches Alupaket verschweißte.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Zurück im Büro, musste sie feststellen, dass der Kühlschrank der Teeküche ungeeignet zur Lagerung des Fischs war: randvoll mit Milchtüten und allerlei Undefinierbarem. Da fiel ihr der Kühlschrank im Konferenzraum ein: Dort gab es, hinter einer Holzvertäfelung, ein geräumiges und weitgehend ungenutztes Kühlgerät. A. hatte oft gerätselt, wozu es dienen mochte, vielleicht ein Relikt von früher, als noch häufiger während Besprechungen zum gekühlten Wein gegriffen wurde? Beherzt verstaute sie den Fisch im mittleren Fach.

          „Locker drauf“

          Gegen 17.30 Uhr fuhr A. den Computer herunter. Aber ach! Als sie ihre wichtigste Zutat fürs Abendessen holen wollte, musste sie feststellen, dass der Konferenzraum besetzt war – freitags, so kurz vor Feierabend! Externe Gäste in Hemd und Sakko saßen da mit den Kollegen B. und C. im Gespräch. A. stammelte eine Entschuldigung und schloss unverrichteter Dinge die Tür. Sie schickte eine Nachricht an ihren Mann: „Fisch im Konferenzraum gefangen – verspäte mich.“

          Es wurde 18 Uhr, dann 18.30 Uhr. A. schlich in immer kürzeren Abständen an der Tür der tagenden Gruppe vorbei. „Besuch ist jetzt da“, schrieb ihr Mann gegen 19 Uhr. A. wurde nervös. Auf dem Flur traf sie einen Kollegen, den sie befragen konnte, was da für ein Meeting lief. Sie hörte von weit und spät angereisten Gästen. Sie hörte auch davon, dass die Herren trotz der formellen Anmutung „locker drauf“ seien.

          A. fasste sich ein Herz, öffnete die Tür, entschuldigte sich abermals: „Ich hab da was im Kühlschrank ...“ Es folgte ein kurzer Smalltalk, dann ging A. mit dem wabbeligen Alupaket im Arm und rotem Kopf ihres Weges. „Thunfisch erfolgreich befreit“, schickte sie ihrem Mann aufs Handy.

          Drinnen im Konferenzraum war einer der Besucher voll des Respekts: „Chapeau, Kollegen, der Auftritt ist geglückt. Das habe ich auch schon mal gemacht: Einfach jemanden reinplatzen lassen. Das gibt dem Gespräch eine ganz neue Wendung!“

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