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Kolumne „Nine to five“ : Karriere im Schlaf

So ein Mittagsschläfchen, das tut gut! Doch nur allzu selten gibt es passende Räume dafür. Bild: Reuters

Der Büroschlaf galt lange als verpönt, jetzt ist er rehabilitiert. Bloß vernünftige Träume-Räume sucht man in den Unternehmen leider vergebens.

          Kennen Sie den? Begegnen sich zwei Beamte auf dem Flur. Sagt der eine zum anderen: „Na, kannst du auch nicht schlafen?“ Zugegeben, Witze auf Kosten von Minderheiten funktionieren fast immer. Und in diesem Fall werden gleich zwei Spezies durch den Kakao gezogen: Staatsdiener und Büroschläfer. Um die erste Gruppe soll es an dieser Stelle aber nicht gehen, das würde auch den Rahmen sprengen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Im Mittelpunkt steht vielmehr das Schlafverhalten des Büromenschen im Allgemeinen – Beschäftigte im gewerblichen Bereich sind von diesem Privileg aufgrund besonderer Arbeitsformen leider ausgenommen. Man stelle sich nur mal einen Dachdecker beim spontanen Nickerchen am Arbeitsplatz vor! Deshalb heißt der Büroschlaf ja auch Büroschlaf und nicht etwa Fabrikschlaf.

          Jenem Büroschlaf wurde lange Unrecht getan. Denn in den Chefetagen wurde das Nickerchen des Mitarbeiters meist mit schamloser Faulheit gleichgesetzt. Erst vor einigen Jahren begann die teilweise Rehabilitierung des Büroschlafs. Wissenschaftler hatten entdeckt: Wer aufgeweckte Mitarbeiter haben will, der soll ihnen die Chance zu einem kurzen Mittagsschläfchen geben. Denn wer sich nach dem Kantinenbesuch mal eben auf das berühmte Ohr haut, ist anschließend leistungsfähiger. Zu lange sollte die Pause aber nicht dauern, denn sonst schlägt die Maßnahme ins Gegenteil um. 30 Minuten ins Reich der Träume abtauchen und anschließend Karriere machen: Der Begriff vom Power-Napping war geboren.

          Wo sind die Träume-Räume?

          Die praktische Umsetzung dieser schlafraubenden Erkenntnis lässt jedoch zu wünschen übrig. Während sich das Raucherzimmer als Refugium nikotinsüchtiger Belegschaftsteile durchgesetzt hat, sucht man entsprechende Träume-Räume auf deutschen Büroetagen vergebens. Selbst coole IT-Buden schrecken davor zurück, neue Mitarbeiter mit Napping-Rooms zu locken, in denen sich das Humankapital quasi im Schlaf vermehren soll. Dass man sich um den Büroschlaf sogar ernste Sorgen machen muss, legt jetzt eine Studie der „Apotheken-Umschau“ nahe. Demnach leidet jeder dritte Deutsche unter Schlafstörungen, Tendenz steigend. Schuld sind permanente Erreichbarkeit und Reizüberflutung. Körperliche Erkrankungen und Leistungsabfall drohen in der Folge.

          Also aufgewacht, ihr Unternehmenslenker! Öfter mal die Diensthandys in den Schlafmodus versetzen, damit eure Mitarbeiter ihre Akkus wieder aufladen können. Lehnt euch selbst mal bequem im Sessel zurück und legt die Füße auf den Tisch, schließt dabei die Augen und gönnt euch ein paar tiefenentspannte Minuten bis zum nächsten Meeting. Sonst geht es euch und den Vorstandskollegen noch wie zwei Beamten, die sich auf dem Flur begegnen.

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