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Kolumne „Nine to five“ : Keine Kännchen in der Kantine

  • -Aktualisiert am

Wie viele Probleme wären gelöst, wenn in der Kantine wieder am Platz serviert würde? Kännchen allerdings bitte nur draußen. Bild: dpa

„Diese Geschmacksverstärker! Jeden Tag bin ich so aufgebläht!“ Was unter Bekannten das Wetter, ist für Kollegen das Mittagessen. Doch Kantinenkritik kann noch so viel weiter gehen...

          Es sind nicht flache Hierarchien oder familienfreundliche Arbeitszeiten, die Mitarbeiter bei der Stange halten. Es ist ein ganz anderes Terrain, auf dem Unternehmen punkten müssen: die Kantine. Wie sonst ist es zu erklären, dass die am häufigsten aufgerufene Seite des Intranets der Speiseplan ist? Denn nichts bietet besseren Gesprächsstoff. Man könnte sagen: Was unter Bekannten das Wetter, ist für Kollegen das Mittagessen.

          Im Plenum der Kantinenkritik gibt es drei Typen. Typ eins: der Beschwerer. Er hat an allem etwas auszusetzen. Angesichts der Auslage beginnt er zu jammern: „Irgendwie spricht mich gar nichts an.“ Das Klagelied zieht sich über den Verzehr („Die Suppen schmecken immer gleich“) und endet schließlich eine Stunde nach der Nahrungsaufnahme („Diese Geschmacksverstärker! Jeden Tag bin ich so aufgebläht“).

          Sein Opponent ist Typ zwei: der genügsame Wertschätzer. Er sagt Sachen wie: „Eine Suppe, ein Hauptgericht und ein Dessert für 4,50 Euro, unschlagbar!“ Der Wertschätzer ist es aber auch, der alle Tricks kennt, um sich einen Vorteil zu verschaffen („Guck mal, wenn du die Gurken am Rand aufstellst, passt mehr in die Schale“).

          Typ drei: der Fernbleiber. Er bringt das Abendessen vom Vortag mit, holt sich beim Supermarkt eine Semmel oder läuft zur Currywurstbude. Warum genau, ist gleichgültig, das Essen in der Kantine geht einfach gar nicht. Verweigerung ist sein stärkstes Statement.

          Serviert wieder am Platz!

          Nun sollte man meinen, diese drei Typen diskutierten fröhlich bis an ihr Arbeitsende. Doch es wächst ein vierter Typ des Kantinenkritikers heran: der Philosoph. Er wirft neue, aufklärerische Fragen auf: Wieso muss sich die Meute tagein, tagaus durch das Nadelöhr an der Tablett-Ausgabe pferchen?

          Wieso sind die Ausgabestellen so eng beieinander, dass eine Kollision mit dem Tablett von nebenan unvermeidbar ist? Und wieso wird der gesundheitsbewusste Mitarbeiter gezwungen, bis ans Ende des Raumes zu pilgern, um dort die Salate in Augenschein zu nehmen, um dann doch mit gerümpfter Nase zurück zur Schnitzel-Station zu marschieren?

          Mit diesen Fragen hebt Typ vier die Diskussion auf ein neues Niveau: Das Hauptproblem aller Kantinen sind nicht Spargel-Quiche auf Lebzeiten, Monoglutamate oder falsche Preispolitik. Es sind Ungeduld und Ungeschick der Kantinengänger! Deshalb der Vorschlag an die Werksküchen dieser Welt: Serviert wieder am Platz - Kännchen allerdings nur draußen.

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