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Kolumne „Nine to five“ : Verlorene Tortenschlacht

Selbstgemacht ist in, wenn es ums Gebäck zur Büro-Feier geht. Bild: dpa

Der Mann will mit den Kollegen Geburtstag feiern und trägt eine Tortentransportbox. Drin stecke „der Prinzregent“, erzählt er am S-Bahnhof. „Selbstgemacht!“ Dann aber kommt es, wie es kommen musste: Totalschaden.

          Der Mann trägt seine Barbourjacke, als ginge es mitten in München zur Entenjagd, einen ledernen Rucksack, eine feierliche Miene und eine Tortentransportbox. Drin stecke „der Prinzregent“, scherzt er am S-Bahnhof. „Acht Schichten hauchdünner Biskuit für die acht Regierungsbezirke. Selbstgemacht!“

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Den Umstehenden läuft das Wasser im Mund zusammen. „Für die Kollegen nur das Beste!“, sagt der Mann, schwenkt sanft seine Box – und stolpert. Es ruckelt, die Sicherungsspange geht auf, die Herrlichkeit saust mit Schwung Richtung Bahnsteigkante und plumpst runter. Slapstick am S-Bahnhof, als sei’s ein entbehrlicher Einfall eines unterdurchschnittlichen Komödienregisseurs.

          Die Fahrgäste sind des Mitleids voll. In die Tortenschlacht zu ziehen, das hatte sich der frustrierte Feinbäcker anders ausgemalt. Der schnieke Kerl steht da wie ein Häufchen Elend, die Torte verschwindet unter der einfahrenden S3. Totalschaden.

          Spitzbuben im Gleisbett und fliegende Cupcakes

          Es ist nicht das erste Kuchendesaster auf dem Weg zur Arbeit. Zumal für immer mehr ambitionierte Freizeitbäcker der Abstecher zum Konditor nicht mehr in Frage kommt, sie beglücken die Kollegen eigenhändig. Aber die fragile Fracht ist heikel, die Plastikboxen oft schlampig verschlossen. So sind auch der Chronistin schon Muffins entglitten. In den vergangenen neun Jahren hat sie bei anderen Scharen von Spitzbuben ins Gleisbett rauschen sehen und fliegende Cupcakes erlebt, die kreischende Krähen verzückten. Neulich, da hüpfte ein Gugelhupf auf den Gehweg. Und eine Kollegin hatte damals, an ihrem 35. Geburtstag, den Himbeerstreusel vom ICE-Fußboden kratzen müssen.

          All das referiert sie in der S3, aber die Abwärtsvergleiche bauen den Barbour-Bäcker nicht auf. Auch nicht der Hinweis, dass die Kollegen in der Kanzlei sicher voll mit Ich-werde-mich-gesünder-ernähren-Vorsätzen seien. „Für meine köstliche Prinzregententorte hätten die eine Ausnahme gemacht!“

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