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Kolumne „Nine to five“ : Betriebsausflug mit Hindernissen

Kajakfahren - anfangs fanden das alle eine gute Idee. Bild: dpa

Eigentlich war der Betriebsausflug als lockere Teambuilding-Maßnahme gedacht. Aber dann ging alles schief.

          Seine Mannschaft hatte ein Teamtraining dringend nötig, fand Schmidt. Er leitete eine Gruppe von Ingenieuren bei einem fränkischen Mittelständler und hatte es satt: Der Ton unter den Kollegen war kaum noch tolerabel, hinterrücks wurde getuschelt und gelästert. Einige kamen notorisch zu spät, andere setzten sich völlig eigenmächtig über Unternehmensvorgaben hinweg. Der Kleidungsstil ließ zu wünschen übrig („Wir Nerds mögen halt unsere Karohemden“, hatte Weber mit beißendem Sarkasmus geantwortet, als Schmidt ihn darauf angesprochen hatte). Und in Meetings fielen sich alle ständig ins Wort. Softskills mussten her, und zwar schnell!

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Bloß wie? In die Bowlinghalle mit allen? Das würde ein Debakel geben! Bei zu viel Bier würden die Kollegenkämpfe erst recht ausgefochten. Kletterwald? Bloß nicht! Schulz mit seiner Höhenangst, wie sollte der klarkommen? Aber vielleicht eine Bootstour? Kajakfahren auf dem Fluss, immer vier Kollegen in einem Boot – das wäre doch was für mehr Teamgeist!

          Zwei Wochen später fand der Betriebsausflug statt. Es war windig, der Fluss beängstigend rauh, die Mannschaft aber entschlossen, trotzdem in die Boote zu steigen. Eine halbe Stunde lang hielten sich alle wacker, dann landeten sie vor einer handfesten Stromschnelle. Ausgerechnet der behäbige Lenz steuerte seinen Vierer direkt an einen seitlich herausragenden Felsen. Das Boot schlug leck, Lenz ging über Bord und trug an der Stirn eine kleine Platzwunde davon.

          „Was für ein bescheuerter Betriebsausflug!“

          Missmutig gingen alle Kollegen von Bord und bargen gemeinsam das kaputte Kajak. Sogleich wurden Ideen ausgetauscht, wie es zu reparieren sei, Material herbeigeschafft, Werkzeug hervorgekramt. Es dauerte zwei Stunden, bis der Kahn wieder flott war. Weber stöhnte: „Was für ein bescheuerter Betriebsausflug!“

          Schmidt aber lächelte in sich hinein. So einträchtig hatte er die Kollegen schon lange nicht mehr zusammen an einer Sache arbeiten sehen.

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