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Kolumne „Nine to Five“ : Ungekrönte Ausredenkönige

Im Wartezimmer. Wirklich? Am Mittwochnachmittag? Bild: dapd

Schwänzen Ihre Kollegen auch öfters? Dann halten Sie es doch mit dem schlauen ITler und dozieren Sie mal über die „sensationelle“ Personalsoftware, die nach wenigen Klicks zeigt, wer freitags notorisch kurz krank ist.

          Die Nachmittagsarbeit ist so öde wie turmhoch. Wer macht schon gerne Ablage? Kollege K. jedenfalls nicht. Zufällig hat er heute noch einen wichtigen Termin. Mr. Wichtig entschwindet. Am nächsten Tag verplappert er sich, schimpft über den total verstopften Parkplatz im Speckgürtel der Stadt - der unaufschiebbare Termin stellte sich als Schraubenkauf im Möbelhaus dar. Wir merken uns das. Wir sind nachtragend.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Spätestens, seit wir uns über die in Ehren ergraute Kollegin ärgern, die immer mal wieder einen Arzttermin präsentiert, wenn es mit der Arbeit pressiert. Auf die Schliche gekommen sind wir ihr durch ihre geschwänzten Mittwochnachmittage. Pünktlich zur Inventur steht mal wieder der dringende Arzttermin an. Wer um Praxen am liebsten einen Bogen schlägt, der hat nicht auf dem Schirm, dass dann die wenigsten Ärzte praktizieren. Erst der komische Blick der Praktikantin öffnet uns die Augen. Ein drittes Mal entschwindet Kollegin Ehrengrau jedenfalls nicht.

          Und auch nicht der supersportliche Nachwuchs, der es immer dann so eilig hat und die Schluderweltmeisterschaften eröffnet, wenn Baggerseewetter aufzieht. Man kann ja über alles reden, nicht aber übers Griffelfallenlassen, wenn Sonnenschein aufzieht. „Wir haben das in der Firma geklärt und eine Liste eröffnet, dass bei schönem Wetter reihum Überstunden abgefeiert werden dürfen. Spontan, aber hübsch der Reihe nach. Man darf auch mit ungeliebten Spätdiensten tauschen“, sagt der listenaffine IT-ler, der auch gern halboffiziell über die „sensationelle Personal-Software“ doziert, die durch wenige Klicks verrate, wer freitags und montags chronisch kurz erkrankt sei.

          „Ich habe Frau M. schon gesagt, dass ich morgen krank bin!“

          Mit der Selbstoptimierung kann man jedenfalls nicht früh genug anfangen, das sickert bei den Kleinsten durch. Die Eltern wollen mit dem Brückentag tricksen, wissen aber durch diskrete Nachfragen, dass sie mit illegal gestreckten Wochenenden bei der redlichen bayrischen Grundschullehrerin auf Granit beißen. Wo kämen wir denn da hin, bei dieser Arbeitsauffassung, empört sich die Pädagogin, das Paar nickt bedröppelt.

          Dumm nur, dass der pumperlgesunde Zweitklässler die Lage nicht peilt, abends stolz von seinen Supersprüngen im Sportunterricht berichtet und nicht weniger stolz verkündet: „Ich habe Frau M. schon gesagt, dass ich morgen krank bin!“ Früh übt sich, wer ein Ausredenkönig werden will. Der Brückentag fiel aus. Die Lehrerin hat ein gutes Gedächtnis und begegnet dem Missverständnisgestammel des Vaters mit einem strengen Kurzreferat über Vorbildfunktionen. Dumm gelaufen.

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