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Ulrich Endres : Der Mann fürs Grobe

Ich will für jemanden kämpfen: Ulrich Endres Bild: Rainer Wohlfahrt

Heikle Fälle sind sein Markenzeichen: Der Frankfurter Strafverteidiger Ulrich Endres scheut auch Mandanten wie den Kindermörder Magnus Gäfgen nicht.

          Viel wurde Ulrich Endres schon vorgeworfen – aber noch nie, dass er um den heißen Brei herumredet. „Wenn es den Beruf des Strafverteidigers nicht gäbe, er müsste für mich erfunden werden“, sagt der großgewachsene, schlanke Rechtsanwalt in seinem hellen Büro im Frankfurter Stadtteil Höchst. Und während man noch darüber nachdenkt, ob es nicht auch eine Nummer kleiner geht, schiebt er nach: „Diese Aufgabe ist mir auf den Leib geschrieben.“ Sicherlich, er wäre auch ein guter Arzt geworden, zählt er auf – „Ich glaube, ich kann gut mit Menschen umgehen“ –, doch Strafverteidiger, das war es von Anfang an, das ist es auch heute.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          So viel Selbstbewusstsein mag anderen als ein klares Zeichen für Überheblichkeit erscheinen, doch für den 62 Jahre alten Strafrechtler bedeutet es vor allen Dingen, dass er seinen Platz gefunden hat. „Ich bin kein Richter, ich bin kein Staatsanwalt“, sagt Endres und wirkt dabei keineswegs so, als würde er damit eine Niederlage einräumen. „Ich will für jemanden kämpfen.“

          Schwierige Mandate scheut Endres genauso wenig wie deutliche Worte. Tötungsdelikte gehören zu seiner Spezialität. Mehr als 130 dieser Fälle hat er in seiner 36 Jahre währenden Karriere schon bearbeitet, allein sieben solcher Verfahren bearbeitet seine Kanzlei mit drei Partnern und insgesamt zehn Mitarbeiter zurzeit. Der viel zitierte „Frankfurter Rabbi-Attentäter“ war erst jüngst unter seinen Mandanten, und natürlich der Kindermörder Magnus Gäfgen, dessen spektakulärer Fall mit der Folterandrohung des Frankfurter Polizeivizepräsidenten vor rund fünf Jahren die Republik polarisierte.

          „Ein Tötungsdelikt ist die Krönung der Strafverteidigung“

          „Ein Tötungsdelikt ist die Krönung der Strafverteidigung“, sagt Endres voller Inbrunst. „Da gibt es kein Pillepalle oder Kindergeburtstag, da geht es um das Leben.“ Spätestens Ende Juni wird die dramatische Geschichte wieder aufgewärmt, wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sich mit Gäfgens Klage beschäftigt und womöglich für eine Wiederaufnahme des Verfahrens sorgt. Die Hauptverhandlung gegen den geltungssüchtigen Jura-Studenten, der den Sohn des Frankfurter Bankiers Friedrich von Metzler entführte und schließlich ermordete, brachte damals auch seinen prominenten Verteidiger in die Schusslinie der Medien. „Es war völlig unerträglich, was da für eine Hetzkampagne gefahren worden ist“, sagt Endres. „Dabei haben wir einen ganz sauberen Job gemacht.“

          In die Boulevardzeitungen und Frankfurter Lokalblätter ist der Strafverteidiger jüngst wieder durch die Verteidigung eines Deutsch-Afghanen geraten, der einen Rabbi auf offener Straße niedergestochen hat. Die mündliche Verhandlung wurde zur Schlammschlacht. Auf deren Höhepunkt warf die Gegenseite Endres Antisemitismus vor, weil er die Glaubwürdigkeit des Rabbis als Hauptbelastungszeugen erschütterte und die Staatsanwaltschaft zwang, sieben Ermittlungsakten gegen ihn herauszurücken. „Wenn einer kein Antisemit ist, dann ich“, kontert Endres. Dabei wirkt er wie jemand, der gerne in den Kategorien „ich“ und „der Rest der Welt“ denkt. „Das kann ich schon wegen meiner Erziehung nicht.“

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