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Ulrich Bez : Kurvenfahrt eines Kreativen

Ruhestand, das wäre nichts für Bez Bild: AP

James Bond wäre fast der Dienstwagen abhanden gekommen. Doch das Überleben der Sportwagenmanufaktur Aston Martin scheint gesichert - vor allem dank Ulrich Bez. Trotzdem steht er an einer Weggabelung. Mal wieder.

          Eine Milliarde Dollar wäre nicht schlecht. Es könnten ein paar hundert Millionen mehr oder weniger sein, aber ungefähr dürfte das hinkommen. Das Sümmchen käme Ulrich Bez sehr gelegen, um seinen Arbeitsplatz zu sichern. Die Konzernchefs im fernen Amerika haben nämlich seine Firma zum Verkauf gestellt, und es ist keineswegs ausgemacht, ob sie dabei auf die Befindlichkeiten ihres Spitzenmanagers Rücksicht nehmen. Und wenn er das Geld nicht zusammenbekommt? Dann ist Bez womöglich arbeitslos. Mal wieder. Und mal wieder vermutlich nicht für lange Zeit.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Aber der Reihe nach. Bez ist Chef der britischen Sportwagenmanufaktur Aston Martin. Der automobile Edelausrüster von James Bond gehört zu Ford - und die haben wirtschaftliche Schwierigkeiten, deren Lösung selbst den Geheimdienst Ihrer Majestät vor größere Herausforderungen stellte. Gleichzeitig fühlt sich das im britischen Gaydon residierende Unternehmen im Gestrüpp des Großkonzerns zunehmend eingeengt. Bez sucht deshalb einen strategischen Partner, der das Management, also auch ihn, beteiligt. Gelingt dies, könnte er noch ein paar Jahre seine junge Erfolgsgeschichte fortschreiben und sogar Gesellschafter werden. Zahlt ein anderer Investor mehr, wird Ford vielleicht schwach. Und Bez, unter dessen Ägide Aston Martin aufgeblüht ist und zum ersten Mal seit der Gründung im Jahr 1913 einen nennenswerten Gewinn macht, womöglich Opfer seines eigenen Erfolgs. Über derartige Zukunftsaussichten könnte man schon nervös werden. Bez aber bleibt, zumindest nach außen, mit der Erfahrung aus 62 Lebensjahren und so manchem Schockerlebnis in seiner Karriere cool. "Ich habe noch viele Pläne und Ideen. Solange ich Mitarbeiter begeistern kann, will ich nicht aufs Boot oder wandern gehen", sagt er. Ruhestand, das wäre nichts für ihn.

          Zwischen Bocholt und Seoul

          Daß er auch die nächsten Jahre irgend etwas mit dem Automobil zu tun haben wird, darf als ausgemacht gelten. Der passionierte Rennfahrer, der einst auf dem Hockenheimring, als er mit den zu breiten Straßenschuhen Bremse und Gaspedal gleichzeitig trat, abflog und sich lebensgefährlich verletzte, hat sein ganzes Berufsleben mit Autos verbracht - bis auf eine kurze, schlagartig zu Ende gegangene Episode im Maschinenbau. Bez suchte gerade nach Jahren in Südkorea bei Daewoo eine neue Aufgabe in Europa. Da trug ihm der Flender-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Lederer den Spitzenjob bei dem mittelständischen Getriebehersteller in Bocholt an. "Zu einem Automobilzulieferer wollte ich nicht. Wenn du ganze Autos gemacht hast, willst du nicht plötzlich Teile verkaufen." Maschinenbau, da dürfe man sich nicht täuschen, sei eine völlig andere Welt als die Autoindustrie, mit lauter Personen, die einen nicht kennen. Aber immerhin sei das eine interessante Aufgabe in einer soliden Firma gewesen. "Da habe ich mir gesagt: Das machst du." Abgehalten hat ihn auch nicht, daß damit die räumliche Trennung von seiner Frau und den Kindern verbunden war. Vom pulsierenden Seoul ins beschauliche Bocholt, das wollte sie nicht. Die Familie ist in eine deutsche Großstadt gezogen, und Bez pendelte am Wochenende dorthin. Das tut er noch heute.

          Aston-Martin-Chef Ulrich Bez mit Windhund und neuem „Rapid”

          Genau ein Jahr später war die Liaison wieder beendet, aus heiterem Himmel, wie Bez - noch immer nicht ganz die Umstände verstehend - sagt. Am Samstag sei er noch bei Lederer eingeladen gewesen. Am Montag stand ein gewöhnlicher Termin auf dem Plan, da habe Lederer plötzlich gesagt: "Ich kann nicht mehr mit Ihnen arbeiten, Sie sind beurlaubt." In diesem Moment schieße einem nur ein Gedanke durch den Kopf: Wie kommt man hier gut raus, mit ordentlicher Abfindung und ohne daß einen der nunmehr ehemalige Arbeitgeber öffentlich in die Pfanne haut? Ausflüchte oder unnötige Debatten haben in solch einem Moment keinen Sinn, sagt Bez. "Wenn es regnet, dann regnet es." Heute fühle sich die Zeit an, als sei er ein Jahr auf der Insel oder im Busch gewesen.

          Karrierestart bei Porsche

          Seine früheren Stationen, Porsche, BMW, wieder Porsche, dann Daewoo, hat er in besserer Erinnerung. Den jungen studierten Luftfahrtingenieur verschlug es zum Stuttgarter Sportwagenhersteller, weil es in der Region mit Luftfahrt nicht soweit her war und er Porsche durch ein Praktikum kannte. Bei Porsche haben sie ihm recht bald eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen. "Ich hatte keine Ahnung von Autos und war plötzlich verantwortlich für Crash-Strukturen", erinnert sich Bez. Trotzdem hat er das Gefühl gehabt, daß andere mehr zu sagen hatten, obwohl er mehr "draufhatte". Das habe vor allem am fehlenden Doktortitel gelegen, woraufhin er beschloß, sich promovieren zu lassen. Präzision hat er auch damals schon großgeschrieben: Jeden Abend ist er um 18 Uhr nach Hause gegangen, hat bis 24 Uhr gearbeitet - ein Jahr lang, dann legte er die gedruckte Arbeit vor.

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