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Tobias Schweinsteiger : Der Bruder von

  • -Aktualisiert am

Vielseitig begabt: Tobias Schweinsteiger fuhr viele Jahre Ski, bevor er Fußballspieler wurde Bild: Schmitt, Tobias

Wie fühlt es sich an, in der dritten Liga Fußball zu spielen, wenn der große Bruder beim FC Bayern ist? Ganz normal, sagt Tobias Schweinsteiger.

          Das Ambiente ist eines Schweinsteigers nicht würdig. Das Stadion ist alt, sehr alt. Neu sind nur die Schalensitze, die Vortribüne und die Loungemöbel in einem der Räume der Geschäftsstelle. Reservierte Parkplätze gibt es nicht, die Spieler müssen in dem Wohngebiet des Regensburger Stadtteils Prüfening eine Lücke für ihre Autos suchen. Deshalb bilden sie Fahrgemeinschaften oder kommen mit dem Motorroller. Wenn das neue Stadion steht, wird alles schöner, komfortabler. Dann gibt es auch Parkplätze für die Mannschaft und moderne Umkleidekabinen. Aber das dauert noch ein paar Jahre. Ob Schweinsteiger dann noch Fußball spielt, ist fraglich.

          Der eine Schweinsteiger jedenfalls - der ältere und weniger berühmte. Tobias Schweinsteiger ist Kapitän von Jahn Regensburg. Seine Mannschaft reist meist mit dem Bus oder Zug zu den Auswärtsspielen nach Sandhausen und Babelsberg, wo die Stadien wie bessere Schulsportanlagen aussehen. Schweinsteigers Marktwert wird derzeit auf 600.000 Euro geschätzt.

          Der eine ist 600.000 Euro wert, der andere 35 Millionen

          Über einen guten Drittligaspieler wird nur geredet, wenn er jung, überaus talentiert und deshalb von den großen Klubs gejagt wird. Tobias Schweinsteiger ist 29 Jahre alt und höchstens noch für einen mittelmäßigen Zweitligaverein interessant. Trotzdem ist er weithin bekannt. Das liegt an dem anderen Schweinsteiger, dem jüngeren und berühmten vom FC Bayern München. Bastian Schweinsteiger ist Nationalspieler und zweiter Kapitän beim besten deutschen Fußballklub, er stand im Finale der Europameisterschaft 2008 sowie im Halbfinale der Weltmeisterschaften 2006 und 2010. Der FC Bayern hat ein modernes Trainingszentrum und eine neue Arena. Zu den Auswärtsspielen fliegt die Mannschaft mit einer Chartermaschine. Bastian Schweinsteiger ist rund 35 Millionen Euro wert.

          Da könnte man glatt neidisch werden. Die Frage, wie es ist, im Schatten des jüngeren, berühmteren Bruders zu stehen, hört er oft. „Es ist für viele Leute unverständlich, dass für mich die Situation ganz normal ist. Ich bin zufrieden mit dem, was ich jetzt bin, was ich erreicht habe„, sagt Tobias Schweinsteiger. Er hat viel erreicht, für seine Verhältnisse. „Ich habe ja erst mit 22 angefangen, richtig Fußball zu spielen. Da war Basti schon Nationalspieler.“ Er weiß aber, dass es wahrscheinlich nicht viel anders gelaufen wäre, hätte er einst die gleiche Entscheidung getroffen wie sein Bruder.

          Der Kleine konnte irgendwann alles besser als der Große

          Die Wege der beiden verliefen daheim in Oberaudorf, einer Gemeinde mit rund 5000 Einwohnern an der Grenze zu Österreich, lange parallel, wie es für Brüder, die nur gut zwei Jahre trennen, üblich ist. "Der Basti hat eigentlich immer das gemacht, was ich gemacht habe." Zuerst Fußball, dann Skifahren, oder vielleicht war es auch umgekehrt. Tobias weiß das nicht mehr so genau. Er weiß aber noch, dass der kleine Bruder schnell alles so gut konnte wie er und irgendwann sogar besser. Zumindest Fußballspielen. Bastian spielte immer bei den Älteren mit. Davon, sagt Tobias, habe der kleine Bruder lange gezehrt. „Man muss sich mehr anstrengen, wenn man immer der Jüngste ist und mithalten will.“

          Das sportliche Talent liegt in der Familie. Vater Alfred betrieb einst auch beide Sportarten mit großem Engagement, fuhr als Erwachsener noch Skirennen und spielte gleichzeitig Fußball in der Bayernliga. Bei seinen Söhnen klappte das nicht mehr, sie mussten sich entscheiden. Bastian wählte früh den Fußball, in seinem letzten Skirennen lieferte er aber noch einen Beweis seines Könnens ab, als er einen gewissen Felix Neureuther, heute einer der besten Skirennläufer, besiegte.

          Vielseitig begabt auf der Piste

          Tobias blieb beim Skifahren. Nach der mittleren Reife begann er wie viele Spitzenathleten aus dem Wintersport bei der Bundespolizeischule in Bad Endorf eine Ausbildung. Er war auf der Piste vielseitig begabt. Gut in der Abfahrt, gut im Riesenslalom, gut im Slalom. Aber vielleicht nicht gut genug, um ganz nach oben zu kommen, um es im Weltcup auf das Siegerpodest zu schaffen. Damals dachte er: „Ich kann zwar einigermaßen davon leben, aber was ist in vier, fünf Jahren?“ Er wollte nicht mit Mitte 20 wieder neu anfangen, deshalb beendete auch er seine Skikarriere und plante, das Abitur nachzuholen. Zuerst aber schloss er die Ausbildung in Bad Endorf ab. Nebenbei kickte er bei Falke Markt Schwaben in der Bayernliga. Es klappte auf Anhieb gut, trotz der längeren Pause. Tobias Schweinsteiger sagt, dass ihm das vielseitige Skitraining bei seiner neuen Karriere geholfen habe. „Früher war ich einer der Langsameren. Jetzt bin ich bei den Schnellsten dabei und springe auch höher als die meisten anderen.“

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