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Stephen Wozniak : Mister Apple-II

„Nenn mich Woz”: Stephen Wozniak hat als Bastler in einer Garage begonnen Bild: Anna Mutter / F.A.Z.

Er hob die PC-Branche aus der Taufe, verlor das Gedächtnis, verschenkte Millionen und kommt gut damit zurecht, dass immer einer vor ihm steht.

          Er hat viele Namen: „Vater des PC“, „Superhirn“ oder „Mister Apple-II“. Doch Stephen Wozniak mag es schlichter: „Nenn mich Woz.“ Er grinst. „Ich leg' keinen Wert auf Etikette.“ Der Mitbegründer von Apple weiß, wer er ist, was er tut und dass Geld und Ruhm allein auch nicht glücklich machen. Er wurde mit dem Börsengang seiner Firma in jungen Jahren sehr schnell sehr reich, aber ihm war klar, dass es immer einen gibt, der größer ist. „Steve ist so einer“, sagt er. „Der ist nicht einfach, aber er ist genial.“ Wozniak und Jobs waren das Duo, das in den siebziger Jahren Apple Computer gegründet, die PC-Industrie aus der Taufe gehoben und den größten Börsengang seiner Generation hingelegt hat. Wozniak war der Techniker und Denker, Jobs der Manager und Lenker. Jobs stand in der ersten, Wozniak in der zweiten Reihe. „Kein Problem für mich“, sagt Wozniak heute.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einem Flugzeugabsturz stieg er aus allem aus. Das war Mitte der achtziger Jahre, und er war noch keine 35 Jahre alt. Seitdem hat er Dutzende Millionen von Dollar gestiftet, gespendet und verschenkt. Er hat viermal geheiratet und sich dreimal scheiden lassen, hat als Lehrer, Berater und Konzertveranstalter gearbeitet. Er trat in einer Celebrity-Tanzshow im Fernsehen auf, hat seine Autobiographie geschrieben, einige Unternehmen gegründet, an die Wand gefahren, neue Firmen gegründet.

          Nun sitzt er in einem Frankfurter Hotel. Schwarze Jeans, schwarzer Pullover, schwarzes Jackett. Wozniak hat noch zwei Stunden bis zu seinem Auftritt auf einer Computerkonferenz. Er spricht von einer Firma namens Fusion-io, die an neuartigen Computerspeichern arbeitet. Er erzählt vom „Wahnsinn des E-Mail-Tsunamis auf seinem Laptop“, von iPod, iPhone und iPad. „Der ist eine Revolution, wie einst der Apple-II-Computer.“ Den hatte Wozniak mit 24 Jahren bis auf ein Detail eigenhändig entworfen. Damals wie heute versteht er sich als Ingenieur, nicht als Manager; damals wie heute ist er Großaktionär von Apple - und einer der größten Fans.

          Stephen Wozniak (links) und Steve Jobs in einem 30 Jahre alten Foto

          Er hat drei iPads, zwei iPhones und einen Mac-Book-Pro-Laptop

          „Ohne Apple, wüsste ich nicht, was ich machen würde“, sagt er. Im Januar kaufte Wozniak drei iPads. Er hat zwei iPhones und einen großen Mac-Book-Pro-Laptop. „Steve hat ein tolles Team. Das macht tolle Produkte und ist sehr innovativ“, meint er. In den frühen Tagen von Apple bewunderte Jobs Stephen Wozniak, heute bewundert Wozniak Steve Jobs: „Steve kennt die Regeln, bedient sie und bricht sie, wenn es notwendig ist. Das kann danebengehen, oder nicht. Doch diese Risikofreude, gepaart mit knallharter Kalkulation, im Management ist sein Geheimnis.“

          Eines seiner eigenen Geheimnisse hat Wozniak in einem schwarzen Büchlein. In feiner Handschrift steht dort die Software für den allerersten Apple-Computer. Geschrieben in der Programmiersprache Basic. Er schwärmt zwar noch immer von der Fortran-Programmiersprache. Doch er hatte Mitte der siebziger Jahre die Prozessoren des Apple-I-Computer mit einer eigenen Version von Basic in Gang gesetzt. „Ein Fehler“, wie er sagt. Hatte er doch in seinem Programm darauf verzichtet, Dezimalzahlen eintippen zu können. Damit habe er damals zwar einen Monat Zeit gewonnen, doch das Basic-Programm für den von ihm später geschaffenen Apple-II reichte nicht mehr aus. Dieses Programm kam dann auch von Microsoft. Dort wandte Bill Gates jene Gleitkommaarithmetik an, der Wozniak aus Zeitgründen abgesagt hatte. „Das Gates-Programm war besser“, erklärte Steve Jobs später. „War es wirklich“, sagt Wozniak. Bill Gates schrieb Softwaregeschichte, Wozniak blieben sein Notizbuch und der Spitzname „Mister Hardware“.

          Als Fünftklässler die Matheaufgaben der Zehntklässler gelöst

          Hinter ihm kommt Bewegung in die Hotelhalle: Ein Vorstand von Hewlett-Packard trifft ein. Der Portier reißt die Tür auf, Kameras blitzen, Wozniak fährt fort: „In der Schule löste ich als Fünftklässler die Matheaufgaben der Zehntklässler; zu Hause erklärte mir mein Vater die Steuerung von Raketen.“ Wozniak redet von Video- und Brettspielen und davon, wie der Personal Computer „aus dem Spiel heraus“ geboren wurde. „Als Teenager wollte ich die alte Schachaufgabe lösen, eine Tour des Springers über das Brett zu finden, mit der er jedes Feld nur einmal betritt.“ Er malt auf den Kaffeetisch ein paar unsichtbare Figuren. „Mit 11 hatte ich zwar eine Amateurfunkstation und mit 13 einen Taschenrechner gebaut. Doch erst die mathematisch knifflige Springertour hat mich zu den Computern gebracht. Es fasziniert mich bis heute.“

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