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Regine Stachelhaus : Eine unberechenbare Karriere

Keine Angst vor Fragen: Regine Stachelhaus Bild: Andreas Müller

Vom PC-Konzern über die Hilfsorganisation zum Energieriesen: Regine Stachelhaus hat keinen geraden Weg hinter sich. Genau deshalb kann sie sich überall gut verkaufen.

          Die Fotografie in ihrem Büro zeigt barfüßige Kinder auf einer staubigen Lehmstraße. Sie schleppen einen Wasserkrug durch die tropisch-dörfliche Kulisse, durch gleißendes Sonnenlicht. In welchem Land wurde diese Fotografie aufgenommen? Wer sind diese Kinder? Welche Schicksale verbergen sich hinter ihren lächelnden Gesichtern? Regine Stachelhaus weiß es nicht. Das Bild, nun ja, das hänge eben in ihrem Büro, weil sie es von ihrem Vorgänger übernommen habe. Anderthalb Jahre hat sie von ihrem Schreibtisch aus in diese unbekannten Gesichter gesehen, ohne sich je zu fragen, wer sie sind. Jetzt lohnt sich die Frage nicht mehr. Nächste Woche zieht Regine Stachelhaus in ein neues Büro.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Dass der Umzug sie ausgerechnet von Köln nach Düsseldorf führt, steht wie sinnbildlich für den Umbruch, den er für ihre Karriere bedeutet. Regine Stachelhaus gibt ihren Posten als Deutschlandchefin des Kinderhilfswerks Unicef auf und wird Personalchefin im Vorstand des Energieversorgers Eon – die erste Frau in der obersten Führungsetage des Konzerns. Warum sie den Begriff „Traumjob“, den sie noch vergangenes Jahr mit Unicef verband, nun auf einmal mit der gleichen Selbstverständlichkeit auf Deutschlands größten Energieversorger anwendet? Die Standardsätze hat sie parat. „Ich wechsle bei Unicef nur vom Hauptamt ins Ehrenamt“, sagt sie zum Beispiel oder: „Erst wer weiß, wie viele Kinder auf der Welt ohne Strom leben, erkennt, wie wichtig Energie ist.“

          Im Beruf nie nach der Uhr schielen

          Wer ihren Karriereweg jenseits solcher Sätze verstehen will, muss in die Vergangenheit schauen. Ins schwäbische Böblingen der sechziger Jahre, wo Regine Stachelhaus als Tochter des Oberbürgermeisters eine behütete Jugend erlebte. Wo Familienstreit sich allenfalls an der Frage entzündete, ob die Tochter ein Haustier halten durfte. Wo die Mutter Hausfrau war und sich ausschließlich um die Kindererziehung kümmerte. „Das war damals eben üblich“, sagt Stachelhaus. „Meiner Mutter war aber klar, dass sich die Zeiten geändert hatten, dass ich studieren und arbeiten sollte.“ So hielt die Mutter Regine Stachelhaus dazu an, Ferienjobs anzunehmen, um „in schwäbischer Tradition mitzubekommen, dass Geld nicht vom Himmel fällt“. Mal hütete sie die Nachbarskinder, mal jobbte sie in einer Großküche. „Das hat mir gezeigt, dass ich einen Beruf haben will, der mich nicht nach der Uhr schielen lässt“, sagt sie heute.

          Unicef hat ihr die Augen geöffnet

          Sie studierte Jura mit Spezialgebiet Jugendstrafrecht, wurde mit der Juristerei aber nicht recht warm. Sie war genervt von der Fließbandartigkeit, mit der die Fälle durch den Gerichtsbetrieb geschleust wurden. „Man hatte das Gefühl, für den Einzelnen nur wenig bewegen zu können.“ Während eines Studentenjobs lernte Stachelhaus den Computerkonzern Hewlett-Packard kennen. Dort gefiel ihr auf Anhieb die Atmosphäre in den Großraumbüros, wo Chefs wie Praktikanten sitzen, „wo sich jeder einmischen darf“.

          Wer „frägt“, kommt voran

          So heuerte sie als Syndikusanwältin bei HP Deutschland an – und stieg Schritt für Schritt die Karriereleiter empor: Leiterin der Rechtsabteilung, Vertriebsdirektorin, schließlich Geschäftsführerin der Drucker- und Kamerasparte. Dass ihr für die vielen Ressortwechsel teilweise das Fachwissen fehlte, gibt sie unumwunden zu. „Ich habe kein Problem damit, bei meinem Team Rat zu suchen. Wer etwas nicht weiß, fragt halt.“ Leicht schwäbelnd sagt sie das, baut ein „frägt“ statt „fragt“ in den Satz, wie es ihr immer mal wieder passiert. Es ist ihr einerlei. Und letztlich ist es wohl diese freundliche, unschuldige Art, die Regine Stachelhaus schon bei HP in die Chefetage führte. „Bei mir beruht alles auf Kooperation“, sagt sie. „Weiblichen Führungsstil“ nennt sie das.

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