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Javier Solana : Reden und reisen für Europa

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Ohne den Diktator Francisco Franco, der von 1939 bis zu seinem Tod 1975 über Spanien herrschte, wäre Solana vielleicht nie Politiker geworden. Am 14. Juli 1942 in eine großbürgerliche Madrider Familie geboren, fühlte er sich als junger Mann zur Mathematik und zu den Naturwissenschaften hingezogen. Sein Vater war Chemieprofessor, seine Mutter Autorin und Wissenschaftlerin. Der Journalist, Schriftsteller und Diplomat Salvador de Madariaga, der im Exil lebte, war sein Großonkel. Solana studierte Physik in Madrid und betätigte sich im Untergrund für die damals noch verbotene Sozialistische Partei. Wegen politischer Aktivitäten exmatrikuliert, ging er 1963 in die Niederlande, wo er in einem Firmenlabor von Philips arbeitete. Anschließend setzte er sein Studium in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten fort. Er wurde Dozent für Physik an der Universität Virginia und blieb nach der Rückkehr in sein Heimatland zunächst Hochschullehrer. Als das Franco-Regime zusammenbrach, wurde er mit 35 Jahren ins Parlament gewählt. Damals habe er Politik und Wissenschaft noch miteinander vereinbaren können, sagt Solana. Nicht ohne Stolz verweist er auf etwa dreißig Fachveröffentlichungen, vor allem zur Festkörperphysik.

Morgens wie ein Nord-, abends wie ein Südeuropäer

Nach dem Wahlsieg der Sozialdemokraten 1982 wurde er Kulturminister und Regierungssprecher; 1988 übernahm er das Ressort Bildung und Wissenschaft. Nach vier weiteren Jahren folgte die Berufung zum Außenminister. Während seines Aufstiegs in der spanischen Politik galt Solana als enger Vertrauter des gleichaltrigen Ministerpräsidenten Felipe Gonzáles. Mit seiner gewinnenden Ausstrahlung, der Fähigkeit, politische und persönliche Freundschaften zu pflegen, und seinem Verhandlungsgeschick erwarb er sich als Außenminister schnell Anerkennung auf der internationalen Bühne. Sie wurde zu einer wesentlichen Voraussetzung für seinen weiteren Weg.

Wer ihn in Aktion gesehen hat, erkennt, dass Solana von anderen Menschen „fasziniert“ ist, wie er sagt, und sie zunächst einmal grundsätzlich mag. Der beidarmige Händedruck, der freundliche Klaps auf die Schulter, die Umarmung wirken bei ihm so natürlich wie bei Bill Clinton. Persönliche Beziehungen sind für ihn eine wesentliche Voraussetzung, um in der Diplomatie etwas zu erreichen. „Ohne Respekt und Verständnis für den anderen ist es schwer, das für eine Übereinkunft notwendige Vertrauen zu schaffen.“ Härte in der Sache und Höflichkeit seien dabei kein Gegensatz. „Wenn Sie jemanden verletzen, werden Sie nie etwas erreichen.“

„Ich habe nie Pläne geschmiedet“

Um diese Lasten zu bewältigen, habe er sich angewöhnt, „morgens wie ein Nordeuropäer und abends wie ein Südeuropäer zu leben“, sagt Solana. Er schläft wenig, was man ihm oft ansieht, kommt nach eigenem Bekunden aber „mit fünf bis sechs Stunden pro Nacht“ aus. Um sich körperlich fit zu halten, ist er kürzlich zum „Walking“ übergegangen, denn laufen, wie früher, kann er wegen eines Knieschadens nicht mehr. Abends oder unterwegs im Flugzeug versucht Solana zu lesen. Nichts, was mit seiner Tätigkeit zu tun hätte, sondern in der Regel schöne Literatur. Begeistert erzählt er sofort von seiner derzeitigen Lektüre, dem dritten Band der Autobiographie von Elias Canetti. „Welch faszinierendes europäisches Leben!“

Im Sommer 2009, wenn seine zweite Amtszeit zu Ende geht, wird der Hohe Vertreter der EU zusätzliche Vollmachten erhalten – vorausgesetzt, die kürzlich unterzeichneten Verträge von Lissabon werden von allen ratifiziert. Solana wäre dann 69 Jahre alt. Reizt es ihn trotzdem, weiterzumachen? Er antwortet diplomatisch und lässt sich alle Möglichkeiten offen: „Ich habe nie Pläne für irgendetwas geschmiedet und werde es auch in diesem Fall nicht tun. Ich lebe zufrieden ganz in der Gegenwart.“

Zur Person:
- Geboren am 14. Juli 1942 in Madrid. Studium der Physik in Spanien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

- Dozent für Festkörperphysik an den Universitäten in Virginia und Madrid.

- Seit 1977 für die spanischen Sozialdemokraten im Parlament. Nach deren Wahlsieg 1982 Kulturminister, Minister für Bildung und Wissenschaft sowie Außenminister.

- Nato-Generalsekretär von 1995 bis 1999. Seither Hoher Vertreter für die gemeinsame Außenpolitik

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