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Martin Rennert : Kommunikator der Künste

  • -Aktualisiert am

Keine Stereoanlage, dafür viel Liebe zur Gitarre: Martin Rennert Bild: Andreas Pein

Als Konzertgitarrist stand er mit dem Publikum in Kontakt. Für die Universität der Künste muss das Zusammenspiel mit Politik und Verwaltung passen.

          Martin Rennert übt die Kunst des Musizierens nicht mehr aus. Die Kunst verbaler Kommunikation, der er sich als Hochschulpräsident verschrieben hat, lässt ihm keine Zeit dafür. "Ein großes Opfer", sagt der ehemalige Konzertgitarrist. Aber Rennert ist zu sehr Künstler, als dass er das Spiel klassischer Gitarre als Freizeitvergnügen betrachten und betreiben könnte. "So etwas macht man nicht nebenher." Mit der gleichen Intensität, mit der er jahrelang rund um den Globus konzertierte, wenn er nicht gerade Aufnahmen für klassische Gitarre produzierte, leitet der 56 Jahre alte Musiker seit bald fünf Jahren die Universität der Künste Berlin - eine der größten, vielseitigsten und traditionsreichsten künstlerischen Hochschulen der Welt: Rund 3600 Studierende, mehr als 40 Studiengänge an den vier Fakultäten Bildende Kunst, Gestaltung, Musik und Darstellende Kunst und dazu noch die Fortentwicklung einer mehr als dreihundertjährigen, komplexen Universitätsgeschichte sind dem Künstlerpräsidenten Martin Rennert anvertraut.

          Schon lange ist er an der Hochschule. Mit 29 Jahren wurde der Musiker zum Professor für Konzertgitarre berufen. Vier Jahre später wurde Rennert, der keine moderne Musikanlage besitzt, weil er Noten lieber liest, Dekan der Fakultät Musik. In den neunziger Jahren wirkte er zunächst als Gründungsmitglied und später als Präsident der European League of Institutes of the Art (ELIA), einem Bündnis europäischer Kulturinstitute für die Hochschulausbildung in den Künsten. Im Dezember 2003 wurde Rennert dann zum Ersten Vizepräsidenten der Universität der Künste Berlin gewählt, zwei Jahre später zum Präsidenten.

          Kunst ist kein Spielgeld

          Zum Hochschulmanager in Nadelstreifen, der nur von den Erfordernissen universitärer Effizienz, Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen spricht, ist Martin Rennert jedoch nicht mutiert. Schon äußerlich nicht. Er trägt schwarze Cordsamthosen, ein Lederjackett und eine bunt gemusterte Krawatte. Rennert sieht und fühlt sich weiterhin als Künstler. "Das ist meine Sicht auf die Dinge und auf die Welt." Einem von ökonomischen Denkmustern beherrschten Kunstverständnis widerspricht er leidenschaftlich. "Philosophisch und lebenspraktisch ganz falsch" sei diese Betrachtungsweise. "Kunst ist Ausdruck des menschlichen Seins, nicht Spielgeld", schrieb der Künstlerpräsident einmal in einem Zeitungskommentar. Seine Kritik an der "merkantilistischen Diskussionskultur" gilt vor allem den angelsächsischen Ländern. Aber auch Staaten wie die Niederlande und Italien würden davon erfasst. "In Deutschland fühlt man sich zum Glück noch mehr dem Aufklärungsprinzip verpflichtet."

          Eine Bedrohung für die Künste sieht Rennert hierzulande jedoch durch die Umstellung auf das Bachelor- und Masterstudium. "Absurde Modularisierung künstlerischer Entwicklung" werde damit betrieben, schimpft er. Für die freien Künste an seiner Universität hat Rennert zwar Ausnahmen erkämpft. Aber für die übrigen Studiengänge befürchtet er, dass dirigistische Vorgaben für den Erwerb des Bachelor- und Mastertitels kreative Entfaltung behinderten. Umso entschlossener verfolgte Rennert sein Vorhaben, durch ein neuartiges Graduiertenprogramm Ansehen und Einfluss der Kunst zu stärken. Seit diesem Sommer werden an der Graduiertenschule für die Künste und die Wissenschaften zunächst sieben Stipendiaten gefördert, deren Projekte auf den Austausch wissenschaftlicher und künstlerischer Methoden und Erkenntnisse zielen. Ein weltweit einzigartiges Programm, das Kunst-Kommunikator Rennert komponierte.

          In gewisser Weise betrachtet er die Überzeugungsarbeit, die er als Hochschulpräsident leisten muss, als eine Fortsetzung des Gitarrenspiels. Ähnlich wie er nun in Politik und Verwaltung um Verständnis für die Künste werbe, habe er als Musiker mit dem Publikum kommunizieren müssen. "Musik ist nuancierte Kommunikation. Sie hat mir geholfen, eine Sprache zu finden, die in der Bildungsverwaltung verstanden wird."

          Als Knirps in die Konzertgitarre verliebt

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