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Jørgen Vig Knudstorp : König der Klötzchen

Spielen und lernen: Jørgen Vig Knudstorp erklärt das Geschäftsmodell von Lego mit einer Handvoll Bauklötzchen Bild: Tobias Schmitt / F.A.Z.

Er kam von McKinsey und trimmte Lego mit harten Schnitten auf Effizienz. Jetzt lernt Jørgen Vig Knudstorp die Vorzüge eines Familienunternehmens kennen.

          Die dunkle Seite der Macht verkörpern im „Krieg der Sterne“ vor allem der greise Imperator und sein brutaler Gefolgsmann Darth Vader. So kaltherzig wie sie gehen im Wirtschaftsleben nach landläufiger Meinung Unternehmensberater vor. Rücken sie mit Blackberry und Laptop an, so lautet das wenig schmeichelhafte Vorurteil, dann werden wenig später die Stellen gestrichen, die Löhne gesenkt und die Produktion ins Ausland verlagert, wo die Kosten niedriger sind. Zu einem Spielzeughersteller mit rekordverdächtigen Sympathiewerten passen diese Methoden eigentlich nicht. Zu einem harmlos-rotbäckig wirkenden Familienvater mit Sieben-Tage-Bart und runder Brille auch nicht. War es also nur ein Missverständnis, dass sich Jørgen Vig Knudstorp zum Berufseinstieg ausgerechnet die Unternehmensberatungs-Ikone McKinsey auswählte? Und war der Wechsel zur Bauklötzchen-Ikone Lego, deren Vorstandsvorsitzender der Däne nun seit fast sechs Jahren ist, gleichzeitig seine persönliche Rückkehr von der dunklen auf die helle Seite der Macht?

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn Jørgen Knudstorp über die Geschäftsidee von Lego spricht, dann sind ihm solche einfachen Erklärungen recht. Er bringt eine Handvoll Kunststoffsteine mit, steckt sie zusammen, wirft sie in die Luft und lässt sie auf die Tischplatte knallen. „Aus fünf Teilen wird ein einziges, das so fest zusammenhält, dass es sogar fliegen kann“, kommentiert er die kleine Vorführung. „Und trotzdem kann schon ein Kleinkind mit einem Handgriff wieder fünf Einzelteile daraus machen.“ Das sei seit der Patentierung des Noppensteins 1958 der simple Kern des Unternehmens, der Grund für 450 Milliarden in mehr als 130 Länder verkaufte Steine. „Kein anderer beherrscht dieses Prinzip so gut wie wir“, sagt Knudstorp. „Es ist unsere Existenzberechtigung.“

          „Systematische Kreativität“

          Seine eigene Geschichte dagegen ist komplizierter, auch wenn sie sich im Rückblick geradlinig erzählen ließe. Schließlich wuchs er nur 50 Kilometer entfernt von der dänischen Kleinstadt Billund auf, wo Lego vor 77 Jahren gegründet wurde und immer noch seinen Hauptsitz hat. Schließlich vereint die „systematische Kreativität“, die das Spiel mit den bunten Steinen nach Knudstorps Worten fördert, die in seinem eigenen Elternhaus vorgelebten Talente: Sein Vater, ein Ingenieur, steuerte akribischen Ordnungssinn als passendes Gegengewicht zur phantasievollen Gelassenheit seiner Mutter bei, einer Lehrerin. Und schließlich war Lego vor nicht allzu langer Zeit noch in einer so desolaten Lage, dass nur eine Operation mit dem Skalpell des Beraters Erfolg versprach.

          Tatsächlich hält sich Jørgen Knudstorp nach seinem MBA-Studium und seiner wirtschaftswissenschaftlichen Promotion am renommierten Massachusetts Institute of Technology in Boston für einen Zahlenmenschen, einen messerscharfen Analytiker. In der Grundschule fielen ihm Rechnen und Schreiben schwer, jetzt aber sind seine Noten gut, da liegt McKinsey nicht fern. Doch schon nach ein paar Monaten im Pariser Büro der Beratung macht sich eine andere Begabung bemerkbar. Der Berufsanfänger entwickelt schnell ein Gespür für persönliche Fähigkeiten und Anforderungen, stürzt sich auf Nachwuchsgewinnung und Personalarbeit. Außerdem kümmert er sich um Kunden aus der dänischen Heimat, zu der er so nie den Draht verliert. Dass er nach drei Jahren das Angebot von Lego annimmt und in die Strategieabteilung des Spielzeugherstellers wechselt, passt zudem gut zu seinen Familienplänen.

          Lego klebt an seiner Vergangenheit

          Was folgt, ist ein Kulturschock. Denn Lego klebt an seiner Vergangenheit. Auf den Jungmanager mit dem weiten Horizont müssen die eifrig gepflegten Traditionen wie Relikte aus einer anderen Zeit wirken - und wie ein Musterbeispiel für den Aufstieg und Fall eines lupenreinen Familienunternehmens. 1932 von einem tüftelnden Tischler gegründet, von dessen Sohn in den Nachkriegsjahrzehnten zu Weltgeltung gebracht, steht Lego nun, in der dritten Generation, am Abgrund. „Die Probleme hätte man schon 1993 erkennen können“, diagnostiziert Knudstorp später. „Aber niemand wollte sie sehen.“ 1998 steht zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte ein Verlust in der Bilanz, es folgen vier weitere Jahre mit Defizit. Überstürzt entlässt Kjeld Kirk Kristiansen, der Enkel des Gründers, den damaligen Vorstandsvorsitzenden und übernimmt das operative Geschäft vorübergehend selbst. Doch die Wende gelingt nicht ihm, sondern erst Jørgen Knudstorp, der inzwischen als Interims-Finanzvorstand auf sich aufmerksam gemacht hat.

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