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Jørgen Vig Knudstorp : König der Klötzchen

Zunächst lernt Lego von ihm eine einfache Regel: Ein Unternehmen braucht Geld zum Überleben so nötig wie ein Mensch Sauerstoff. Knudstorp, gerade 35 Jahre alt, verkauft die Mehrheit an den Lego-Freizeitparks an die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone. Er wirft T-Shirts, Uhren und Bücher aus dem Sortiment und lässt sie andere Hersteller gegen Lizenzgebühren produzieren. Er kurbelt den für seine Behäbigkeit verrufenen Vertrieb der Dänen an, beschleunigt die Entwicklung neuer Spielewelten, trimmt die Kreativabteilung auf Kostenbewusstsein. Er schließt eine Fabrik in der Schweiz, streicht Stellen in Dänemark. „Wenn jemand wegen meiner Entscheidung seinen Job verloren hat, habe ich ihm das immer selbst gesagt“, betont Knudstorp zwar. Doch die Aufrichtigkeit ändert nichts daran, dass sein Sanierungskurs hart ist. „Ich hatte mir vorgenommen, Lego mit derselben Effizienz wie ein Privatinvestor zu führen“, räumt er ein. Die Strategie gipfelt darin, dass er den Auftragsproduzenten Flextronics aus Singapur neue Werke in Osteuropa bauen lässt. Lego selbst soll sich künftig nur noch um Innovation und Marketing kümmern, nicht mehr um so etwas Altmodisches wie die Herstellung von Plastikklötzchen.

Die Kraft einer einfachen Geschäftsidee

Dann aber lernt Knudstorp selbst etwas von Lego. Kjeld Kristiansen, der Eigentümer, nimmt ihn zu einem Treffen amerikanischer Lego-Fans nach Washington mit, tausend Erwachsene kommen dafür in den Sommerferien in eine leerstehende Schule. Zwei Stunden lang dauert die Frage-und-Antwort-Runde, ein ernüchterndes Erlebnis. „Das meiste war Kritik“, berichtet Knudstorp. „Aber so habe ich erfahren, was das Herz von Lego ist, unsere Seele.“ Wie viel Kraft noch in jener einfachen Geschäftsidee steckt, die schon ein halbes Jahrhundert alt ist, und in der engen Bindung der Kunden. Nach und nach legt er nun seine anfängliche Skepsis gegenüber dem Prinzip Familienunternehmen ab. In den Sommerferien - nach dänischer Tradition verschreibt sich Knudstorp eine vierwöchige Pause zum Auftanken - und auf Wanderungen rund um Billund macht er sich die Vorteile einer authentischen Unternehmenskultur klar, den Wert untadeliger Qualität und die Kehrseite niedriger Lohnkosten.

„In Dänemark ist der Stundenlohn zwar viermal so hoch wie in Tschechien“, rechnet er vor. „Die Produktivität aber auch.“ Im vergangenen Herbst verkündet er die Kehrtwende vom Outsourcing zum Insourcing: Lego-Steine von einem anderen Unternehmen herstellen zu lassen sei ein Fehler gewesen. Inzwischen beschäftigt Lego wieder mehr Mitarbeiter als vor der Krise, macht anderthalb Milliarden Euro Umsatz im Jahr und zuletzt rund 180 Millionen Euro Nettogewinn.

Jetzt kann Jørgen Knudstorp den Studenten an der Managerschule von Kopenhagen, die er hin und wieder als Gastdozent besucht, gleich mehrere Lehrbuchkapitel aus nächster Nähe vermitteln. Sanierung und Restrukturierung ist das Erste, Innovationsmanagement das Zweite, um die Grenzen des Sparens geht es im Dritten. Das Vierte führt weg von streng betriebswirtschaftlichen Kategorien. „Jenseits von Gewinn und Verlust braucht ein Unternehmen einen Grund für seine Existenz“, skizziert Knudstorp sein persönliches Lieblingsthema. Zur ergänzenden Lektüre legt er den Studenten gerne den dänischen Philosophen Søren Kierkegaard ans Herz, einen ausgewiesenen Spezialisten für Entscheidungs- und Existenzfragen. Eine überraschende philosophische Ebene hat es schließlich auch, wenn er mit ihnen über seinen eigenen Weg diskutiert, über die Licht- und Schattenseiten des Managerlebens. Auf der Rückseite seiner Visitenkarte prangt, komplett mit Leuchtschwert und schwarzer Maske, Darth Vader als Lego-Männchen.

Lesen Sie auch: Ich über mich: Jørgen Vig Knudstorp

Zur Person

Jørgen Vig Knudstorp wird am 21. November 1968 in der dänischen Kleinstadt Fredericia geboren.

Er studiert in Århus Wirtschaftswissenschaften und Ostasienstudien, macht seinen MBA in Großbritannien und promoviert an der amerikanischen Vorzeigeuni MIT.

Seine erste Stelle nimmt er bei der Unternehmensberatung McKinsey an. 2001 wechselt er in die Strategieabteilung des Spielwarenherstellers Lego. 2003 wird er Finanzchef, 2004 Vorstandsvorsitzender.

Mit seiner Frau und vier Kindern lebt er inzwischen wieder in seiner Heimatstadt Fredericia, nur eine Autostunde vom Lego-Firmensitz in Billund entfernt.

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