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Hanns Zischler : Hanns... wer? Ach, der!

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Hanns Zischler, der Star aus der zweiten Reihe Bild: Walter Wehner

Als Schauspieler gibt er perfekt die Stars aus der zweiten Reihe. Den ganz großen Ruhm heimsen aber die anderen ein – womit Hanns Zischler leben kann.

          Der Abspann von Steven Spielbergs Thriller „München“ läuft über den Bildschirm. Gerade eben hat ein Tötungskommando des Mossads die Morde an der israelischen Olympiamannschaft 1972 in München gerächt. Hanns Zischlers Name kommt bei der Aufzählung der Schauspieler an fünfter Stelle. Als deutscher Emigrant Hans, ein Antiquitätenhändler aus Frankfurt mit einem Talent für Passfälschung, tritt er zusammen mit Hauptschauspieler Eric Bana auf. Zischler redet dabei nicht viel, sondern stellt vor allem einen Mann mit einem verschwiegenen Gesicht über einer sorgsam gebundenen Fliege dar. Nicht schlecht, könnte man sagen. Welcher Deutsche wird schon von Spielberg engagiert? Momentan im Kino zu sehen ist der 61-Jährige unter anderem in dem deutschen Film von Charlotte Link „Im Winter ein Jahr“. Auch hier spielt Zischler eine der Hauptrollen. Allerdings wieder die in der zweiten Reihe. Die erste besetzt Kollege Bierbichler.

          Das heißt nicht, dass Zischler wenig vorzuweisen hat. Im Gegenteil: Er ist einer der meistbeschäftigten Schauspieler Deutschlands. Außerdem tut er sich als eine Art Alleskönner hervor, der in fast jeder künstlerischen und intellektuellen Disziplin reüssiert. In über 150 Filmen ist er aufgetreten, sehr viel Fernseh-, aber auch nationale und internationale Kinoarbeiten sind darunter. Steht Zischler nicht vor der Kamera, war er oft als Dramaturg und Regisseur tätig. Er ist Schriftsteller, Gründer eines Verlages und Fotograf, überdies Übersetzer anspruchsvoller Literatur. Irgendwann wollte er auch Musiker werden. Zwischendurch liest er mit seiner sonoren Stimme Werke von Goethe oder Thomas Mann als Hörbücher ein. Gerade arbeitet er an einer Dokumentation über die Sammlung des Berliner Naturkundemuseums.

          Erkennung mit verzögertem Autofokuss

          In Insiderkreisen wird seine Arbeit gewürdigt, seine breitgefächerten Fähigkeiten werden bewundert. Nichtsdestotrotz ist er nicht der deutsche Schriftsteller, den jeder gelesen haben muss, oder der deutsche Schauspieler, den die Passanten immer gleich sofort um ein Autogramm bitten. Ein Umstand, der den gebürtigen Franken allerdings nicht sonderlich stört, so scheint es. „Um Gottes willen, nein!“, sagt Zischler und lacht. Sehr erfreulich sei es doch, wenn man die Aufmerksamkeit der Massen unterlaufen könne. „Ich werde von den Leuten erkannt, aber mit einer Art verzögertem Autofokus“, sagt er, mit den Händen das Vor- und Zurückgleiten eines Kameraobjektivs zur Begleitung der Laute „dschid, dschid“ die Situation demonstrierend. „Die Menschen sehen mich, der Name fällt ihnen nicht ein.“ Souverän lehnt er sich in dem schwarzen Holzstuhl zwischen den Bücherwänden seines Berliner Arbeitszimmers zurück. „Karriere – das ist doch sowieso ein Phantom, dem viele nachlaufen.“ Die ganze Sache mit dem Erfolg sei nur bedingt steuerbar.

          Unter seinen Kollegen genießt er hohes Ansehen

          Seinen Weg begann Zischler nach Jugendjahren in Franken im München der späten sechziger Jahre. Entscheidend waren für ihn unterschiedliche Impulse. „Ich war nicht sehr gefestigt als Charakter, gleichzeitig aber sehr neugierig“, erklärt er. Vorlesungen und Seminare in Fächern wie Literatur, Philosophie, Musik oder Ethnologie besuchte er sporadisch, ließ sich treiben. Einen Studienabschluss habe er nie verfolgt, betont er. Es kam das eine oder andere Rollenangebot von Schülern der Münchener Filmhochschule. „Das waren Leute, die in derselben Stadt waren. Man lernt sich kennen, und dann spielt man da eben mit“, sagt er über den Anfang seiner Schauspielkarriere. Es waren kleinere Rollen in Filmen amerikanischen Stils: schwarzweiß und düster, mit Gangsterflair, wortkarg. Reden hätten er und seine Kollegen eh nicht können, findet Zischler und kichert kurz und tief. Daran gedacht, Schauspieler zu werden, hatte er vorher nie. „Es ist so eine Art Selbstermächtigung. Ein Impuls wird an einen herangetragen, und dann muss man sich nur noch fragen, ob man sich das zutraut oder nicht.“

          Autodidakt auf vielen Bühnen

          1967 begann Zischler mit Wim Wenders zu drehen in „Same Player Shoots Again“. Dann 1971 wieder in „Summer in the City“, als Wenders seinen Abschluss an der Filmhochschule machte. Zischler war zu dem Zeitpunkt schon in Berlin. Anschließend ging Zischler an die Berliner Schaubühne als Dramaturg und Regieassistent. Auch das war nichts, was er gelernt hatte. Wieder wurde er angesprochen. Wieder entschied er sich dafür, dem neuen Impuls zu folgen und die Arbeit sich zuzutrauen. Bis 1975 widmete er sich Inszenierungen am Theater, danach trat er erneut bei Wenders auf in „Im Lauf der Zeit“.

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