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Günther Fielmann : Kämpfer gegen die Sozialprothese

  • Aktualisiert am

Hat als Unternehmer Durchblick bewiesen: Günther Fielmann Bild: Anna Mutter

Er wurde bedroht und angegriffen. Aber Günther Fielmann hat sich nicht aufhalten lassen. Er ist Deutschlands "Brillenkönig" - und noch längst nicht müde.

          Es war ein gutes Gespräch. Aber nach zweieinhalb Stunden hält es Günther Fielmann nicht mehr in seinem Sessel: "So, jetzt müssen wir aber zu den Bullen." Wir sind auf Gut Schierensee. Das 1600 Hektar große Landgut liegt eine Autostunde nördlich von Hamburg und könnte problemlos als Schauplatz für einen Pilcher-Roman herhalten. Das prachtvolle Ensemble aus barockem Herrenhaus und Wirtschaftshof, eingebettet in sanfte Hügel, hat Fielmann 1998 erworben. Während die Vorbesitzerin Friede Springer nicht viel damit anzufangen wusste, erweckte er das Gut zum Leben. Begeistert führt Fielmann seinen Besucher durch die historischen Räume, erzählt Anekdoten, wie die von dem Stuhl, der einst im Katharinensaal unter dem Gewicht Helmut Kohls zusammengebrochen ist. Doch am glücklichsten ist er draußen, bei seinen Tieren, den Holsteiner Pferden, den Kärntner Brillenschafen und - den Bullen.

          Und was für Bullen. Französische Limousin-Rinder, die bis zu 1,2 Tonnen auf die Waage bringen. Wie Reval, ein wahrer Superbulle, dem Fielmann auf der Weide unerschrocken das Fell bürstet. "Wenn ein Bulle auf Sie zurennt", so erklärt er dem Besucher aus der Stadt, "dann müssen Sie stehen bleiben und warten, bis er den Kopf zum Stoß senkt. Dann schnell zur Seite springen. Denn von da an sieht er Sie nicht mehr." Bei Reval ist ein derartiges Ausweichmanöver an diesem Nachmittag gar nicht nötig. Brav steht der braune Koloss in der Sonne und lässt sich von seinem Herrn tätscheln und füttern. Fielmann züchtet die Edelviecher. 350 davon tummeln sich auf seinen Weiden in Schierensee und Lütjensee, wo Fielmann einen weiteren Hof besitzt und ebenfalls wohnt. Das Limousinfleisch wird als "zart und feinfaserig" gepriesen. Aber Fielmann verspeist die eigenen Tiere "eher ungern" - zu nah steht er ihnen. Das wird sein Koch - ein Meister seiner Zunft, der ihn stets von Gut zu Gut begleitet - sicherlich sehr bedauern. Denn der soll nur das zubereiten, was direkt aus Fielmanns Ökolandbau stammt.

          Jeder vierte Deutsche trägt eine Fielmann-Brille

          Mein Koch, mein Gut, mein Unternehmen. Günther Fielmann hat sehr viel erreicht. Mehr, als er selbst jemals für möglich gehalten hätte: "Ich bin über meine Träume hinausgewachsen." In bloßen Zahlen liest sich das so: Gut 2 Milliarden Euro ist sein Unternehmen, die Fielmann AG, an der Börse wert. Davon gehören 71 Prozent ihm und seiner Familie. 1 Milliarde Euro Umsatz machte Fielmann 2008, in acht Jahren soll es doppelt so viel sein. 13.000 Mitarbeiter in 640 Filialen verkaufen gut 6 Millionen Brillen im Jahr. Mehr als 21 Millionen Menschen tragen eine Brille von Fielmann. Er ist Marktführer in Deutschland vor der Apollo-Kette. Wie hat er das geschafft?

          Entspannung mit den Rindern auf Gut Schierensee

          Aus eigener Kraft. Seine Mutter war Hausfrau. Mit ihr, einer gebildeten, warmherzigen Frau, streift Günther als Kind durch die Natur. "Ich wusste schon als ganz kleiner Kerl, wie die Blumen alle heißen", beschreibt er das Leben auf dem platten Land in Schleswig-Holstein, wo er 1939 geboren wurde. Diese Herkunft hört man ihm bis heute an: Er rollt das R vorne mit der Zunge, so wie es üblich ist in diesem Landstrich rund um Rendsburg. Das Verhältnis zu seinem Vater, den er wegen des Kriegs zunächst selten zu Gesicht bekommt, ist schwierig. Der Oberstudiendirektor ist streng gegen sich und seinen einzigen Sohn. Doch genau deshalb hat er entscheidenden Anteil an dem Aufstieg seines Sprösslings. Denn der Vater redet ihm aus, seinem Herzenswunsch zu folgen und Fotograf zu werden, und rät stattdessen - ganz pragmatisch - zur Optikerlehre. Günther tut, wie ihm befohlen. Und obwohl die Lehre kein Zuckerschlecken ist, gewinnt der Filius Spaß am Brillenbiegen.

          „Ich wollte die Stigmatisierung abschaffen“

          Fielmann bildet sich zum Augenoptikermeister weiter und arbeitet für zwei große Optikunternehmen in Einkauf und Vertrieb. Dies tut er mit wachsendem Erfolg, aber bloß angestellt zu sein ist nicht seine Erfüllung. "Als Unternehmer sah ich viel mehr Möglichkeiten, meine eigenen Ideen zu verwirklichen." 1972 ist es so weit. Fielmann eröffnet seinen ersten Optikerladen in Cuxhaven. Sein Geschäftsmodell war geradezu revolutionär: "Ich wollte die Stigmatisierung durch die Krankenkassenbrille abschaffen. Damals war der Optikmarkt kartellähnlich organisiert. Die Preise waren regional einheitlich hoch. Die Kassenmodelle waren zeitlos hässlich. Wer sich keine teure Feinbrille leisten konnte, trug sozusagen den Nachweis seines niedrigen Einkommens per Sozialprothese auf der Nase. Über 600 modische Fassungen in Metall und Kunststoff zum Nulltarif habe ich das Einheitsmuster aufgelöst."

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