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Diego Della Valle : Italiens erfolgreichster Studienabbrecher

Verbindet Sportlichkeit und Stil: Diego Della Valle Bild: LAIF

Der Vater war Schuhmacher und hatte für seinen Sohn Besseres im Sinn. Doch Diego Della Valle interessierte die Juristerei wenig – er baute lieber einen Luxusgüterkonzern auf.

          Krise bedeutet für Diego Della Valle gerade eben, dass die Wachstumsraten seines Unternehmens nicht mehr um die 15 Prozent betragen wie in früheren Jahren, sondern nur noch einstellig ausfallen. Eine glückliche Hand, ein wohlklingender Name können alleine aber nicht den beständigen Erfolg des 56 Jahre alten Selfmademan erklären. Zu groß ist der Kontrast mit den Schwierigkeiten anderer großer Namen. Diego Della Valle kann demgegenüber nicht nur eine über Jahre solide Entwicklung seines Unternehmens vorweisen, sondern tief reichende Reflexion über Markenführung, Luxusgüter und die persönliche Interpretation seiner Rolle als Unternehmer. Dabei konzentriert er sich lieber auf die Kernaufgabe, als immer neuen Ideen hinterherzulaufen.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Unternehmerkarriere war eigentlich nicht das, was Della Valle vom Vater zugedacht worden war. Der besaß zwar ein Kleinunternehmen zur Schuhproduktion südlich von Ancona, nahe an der Adriaküste, hatte für den Sohn aber vermeintlich Besseres im Sinn, ein Jurastudium und eine Anwaltskarriere. „Aber ich suchte einen anderen Weg, denn ich wollte unabhängig bleiben“, sagt Della Valle heute. Von klein auf habe er erlebt, wie der Vater „der Unternehmer seiner selbst“ gewesen sei. Unternehmergeist zu atmen bedeutet für Della Valle nur eins: „der Wille, selbst zu entscheiden“. Diese Einstellung werde nicht jedem in die Wiege gelegt. Er habe schon große Staatsdiener erlebt, die nur mit Mühe auf eigenen Beinen stehen könnten.

          Der italienische Sohn eines Kleinunternehmers traf dagegen früh selbständige Entscheidungen über die eigene Karriere. Offiziell war er Jurastudent. Doch einige Zeit habe er nur zum Schein studiert und stattdessen die bekannten Schuhmacher besucht, um ihnen über die Schulter zu schauen und von ihnen zu lernen, erzählt der erfolgreiche Studienabbrecher Della Valle heute. Ausgiebige Studienaufenthalte in den Vereinigten Staaten, nicht für die Rechtswissenschaften, sondern zum Kennenlernen des Luxusgütermarktes oder des Marketings, rundeten die Grundausbildung des angehenden Unternehmers ab. Dem jungen Italiener hat Amerika aber vor allem eine Überzeugung eingepflanzt: „Wenn du daran glaubst und wenn du arbeitest, kommen auch die Ergebnisse.“

          Engagierter Einsatz und akribische Gründlichkeit galten zu Beginn dem Markennamen für das erstrebte Luxusunternehmen. Was in Italien „Marke“ genannt wird, ist aus der Sicht von Della Valle häufig nur ein Name ohne weitere Bedeutung. Allzu oft nennen italienische Unternehmensgründer ihre Kreation nach sich selbst, um voll Stolz oder Eitelkeit ihren eigenen Namen in Umlauf zu bringen. Diego Della Valle besaß einen wohlklingenden Namen, war aber dennoch immun gegen die Versuchung, damit auch seine Produkte zu taufen.

          Eineinhalb Jahre hat er sich Zeit genommen für die Suche nach dem richtigen Namen, mit hohen Anforderungen: „Er musste weltweit nutzbar sein, kurz, leicht auszusprechen, mit einem angenehmen Klang.“ Den Namen „Tod’s!“ wählte er unter 15 Ideen. Viele Male wurden Außenstehende gebeten, den Namen auszusprechen. „Gefallen hat mir ,Tod’s‘ besonders wegen des runden ‚o‘“, sagt der Gründer heute. „Die Entwicklung eines Markennamens ist eine exakte Wissenschaft.“

          Dass der – am Anfang noch mit Initialen versehene – Name „J.P. Tod’s“ nach amerikanischem Lebensstil und nach Ostküste klang, kam außerdem der Produktidee entgegen. Della Valle hatte sich von den traditionellen amerikanischen Schuhen für Autofahrer inspirieren lassen, mit Noppen an den Sohlen und verstärkter Fersenkappe. Daraus machte er den italienischen Freizeitschuh, der nicht nur fürs Auto, sondern mehr noch für die Sommervilla und die Yacht bestens geeignet war.

          Solche Produkte passten ideal zu dem Lebensgefühl, das der junge Diego Della Valle schon in den Vereinigten Staaten erspürt hatte und das ihn immer noch prägt: Um schick gekleidet zu sein oder trendig aufzutreten, ist nicht mehr unbedingt formelle Kleidung nötig wie noch vor einigen Jahrzehnten. Dafür ist auch in der Freizeit Elegantes gefragt, das aber gleichzeitig bequem sein muss. Della Valle selbst fühlt sich wohl mit Jeans und Jackett. Seine Schuhe sollen dem Auftreten am Sonntag Stil geben, gleichzeitig aber noch fein genug sein, um zu formeller Kleidung zu passen.

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