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Craig Barrett : Professor Chip geht auf die Jagd

Ein Earl mit Ranch: Craig Barrett Bild: dpa

Als Dozent wechselte er von der Universität zu Intel und lenkte den Weltmarktführer viele Jahre. Nun geht Craig Barrett in Rente – doch aufhören will er nicht.

          Mister Chip geht auf die Ranch – Pferde reiten, Rehe jagen, neue Schneisen schlagen. Wenn Craig Barrett im Mai seinen Posten als Chairman des kalifornischen Halbleiterherstellers Intel niederlegt, wird er seinen Cowboyhut nehmen und für einige Monate nach Montana fliegen. Nahe der kanadischen Grenze besitzt er ein ausgedehntes Anwesen: Berge und Täler, Wälder und Felder, eine Villa im Country-Look mit Bibliothek und High-Speed-Anschluss für den Laptop. Barrett mag es idyllisch, einfach und bequem, wenn er Großes entwirft.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einst hat er Intel auf die Gewinnspur gesetzt und die Chipproduktion revolutioniert; nun macht er sich daran, in die amerikanische Gesellschaft ein paar tragende Pfeiler einzuziehen. So spricht er gern von Erziehung und Zukunft, von Gesundheit und Technik, von einer Wende zum Besseren. An Ruhestand, Rente oder Pension denkt er nicht – heute nicht, morgen nicht und übermorgen auch nicht. Der hochgewachsene Mann mit dem ruhigen Blick und dem weißen schütteren Haar gilt als rastlos. Er lässt keine Minute des Tages ungenutzt. Pausen sind ihm ein Übel, Leerläufe ein Greuel. Er wohnt in Paradise in Arizona, arbeitet im tausend Meilen entfernten Santa Clara in Kalifornien und macht Ferien auf seiner Ranch in Monatana. Seine Frau steuerte einst einen Kampfjet.

          Elektronische Krankenkarteien für die Pferde

          Barrett sitzt am runden Tisch eines weißgetünchten Zimmers in der Münchner Europa-Zentrale von Intel, nippt am dampfenden Kaffee, legt die Hände flach auf die hellbraune Tischplatte und setzt ein gewinnendes Lächeln auf. Er spricht langsam und ruhig, wie ein englischer Earl zum Tee. Wenn er sich konzentriert, schließt er kurz die blauen Augen, spitzt die Lippen und holt tief aus sich heraus einen jener Gedankensplitter, die ihm Sätze sagen lassen wie: „Erfolg verpflichtet“ oder „Wer an der Spitze steht, muss führen“. Schließlich erklärt er: „Ich habe seit einiger Zeit einige Projekte, die mir sehr am Herzen liegen und die ich nun forciere.“

          Ein Earl mit Ranch: Craig Barrett Bilderstrecke

          Dazu gehören mehr Bildung für die Jugend, mehr Technologie für die Wirtschaft und ein Krankenkassensystem für alle. Mit Intel hat er da schon einiges angeschoben „Wir haben aber noch viel vor uns“, sagt er. Seine Pferde haben elektronische Krankenkarteien, nach denen sie jeder Veterinär in der Welt behandeln kann; viele Amerikaner haben nicht einmal eine Versicherung. „Oder nehmen Sie die Schulen. Ein Computer im Klassenzimmer ist eine tolle Sache.“ Doch er sei kein Zauberkasten. „Die Magie kommt nicht aus der Maschine. Sie kommt vom Lehrer.“ Der müsse begeistern, inspirieren und die Kreativität der Schüler fördern.

          Die Rückkehr hinters Lehrpult lockt

          Barrett spielt mit dem Gedanken, selbst wieder ans Lehrpult zu treten. Vom Professor zum Manager und wieder zurück. So wie vor seiner steilen Laufbahn bei Intel. Ein Leben wie ein Looping. In den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren studierte er in Stanford, erwarb den Bachelor, den Master und mit 26 Jahren auch den Doktor. Er forschte in Europa, schrieb Essays in Amerika und gab an der Stanford University vielbesuchte Seminare. Mit „Principles of Engineering Materials“ legte er ein Grundlagenwerk der Materialwissenschaften vor. Es machte ihm in den Zirkeln der Werkstoffkundler einen klangvollen Namen.

          Mit Anfang dreißig wurde er Professor. Es war die Zeit, als Barrett zum Frühsport zweihundert Rumpfbeugen schaffte und mit dem Morgenkaffee die ersten Vorlesungen hielt, als Computer noch Rechenmaschinen genannt wurden, Transistoren auf einem Chip mit bloßem Auge erkennbar und mit den Fingern abzuzählen waren. Im Silicon Valley schoss eine neue Industrie aus dem Boden, und eine junge, von den drei wegweisenden Wissenschaftlern Noyce, Moore und Grove gegründete Firma namens Intel sorgte mit ihren Chips für Furore.

          Der erste Einsatz für Intel scheiterte

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