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Christine Bortenlänger : Grün ist die Hausse

Börsenchefin statt Landwirtin: Christine Bortenlänger Bild: Andreas Müller

Während der Banklehre wird sie schwanger und macht dann mit Kind Karriere. Heute leitet Christine Bortenlänger die Münchner Börse und kämpft um den Finanzplatz.

          Grün ist die Hoffnung. In der Farbenlehre der Börsianer steht Grün für steigende Kurse. Und geht es nach dem Geschmack von Christine Bortenlänger, dann steht eine kräftige Hausse unmittelbar bevor. Als Chefin der Münchner Börse hat sie vor einigen Monaten das neue Gebäude, die alte Hutschenreuther-Villa direkt am Karolinenplatz in der Mitte des Finanzplatzes München, nach ihren Wünschen umgebaut: In vielen Räumen schimmern Grüntöne, und in ihrem Büro mit dem schicken Ensemble von Designerstühlen, -tischen und -lampen grünt es ganz gewaltig. Eine komplette Wand hat sie knallgrün streichen lassen, sogar die Filz-Untersetzer auf ihrem Schreibtisch sind pedantisch genau auf den Wandfarbton abgestimmt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          An der modebewussten Mittvierzigerin ist wohl auch eine gute Innenarchitektin verlorengegangen. Doch Bortenlänger hat schon früh den Wunsch, an der Börse zu arbeiten. Mit einer Ausnahme: "Als Kind wollte ich in die Landwirtschaft", sagt sie. "Und mit meinem Mann, einem Bauingenieur, teile ich die Liebe zum Bauernhof."

          Es ist ein Schulausflug zur Münchner Börse, der dann ihre Begeisterung für Bulle und Bär weckt. Im Rekordtempo macht sie sämtliche Karriereschritte, die sie dem Chefsessel ebenjener Regionalbörse näher bringen: Banklehre, BWL-Studium mit Promotion, natürlich über ein Börsenthema ("Börsenautomatisierung - Effizienzpotentiale und Durchsetzbarkeit"), es folgen Stationen in der Bayerischen Landesbank und der Unternehmensberatung Dr. Seebauer & Partner, immer in München, und schließlich 1998 ihr erster Posten bei der öffentlich-rechtlichen Börse als stellvertretende Geschäftsführerin, verantwortlich für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

          Sie kämpft für die Bedeutung des Finanzplatzes München

          Das schöne Gesicht von Baisse und Hausse

          Als sie zwei Jahre später mit Co-Geschäftsführer Andreas Schmidt eine Doppelspitze bildet, ist sie nicht nur besonders jung, sondern vor allem auch noch die erste Frau an der Spitze einer deutschen Börse. Noch dazu ist sie alleinerziehende Mutter, hat ihren Sohn schon während der Banklehre bekommen. Besonders beschwerlich sei ihre Karriere mit Kind nicht gewesen, im Gegenteil: "Aus einer Top-Position nein zu sagen, weil ein Kindergeburtstag vorbereitet werden muss oder ein Elternsprechtag in der Schule ansteht, ist viel leichter." Den Chefposten von der Börse erklimmt sie zur Jahrtausendwende. Es ist die wilde Zeit der New Economy, in der viele Kleinaktionäre selbst den windigsten Börsendebütanten nachrennen, als die ARD ihre "Börse im Ersten" erfindet und zur prominentesten Sendezeit direkt vor der Tagesschau sendet, weil die Geschichten über Baisse und Hausse auch wirklich jedermann interessieren - in dieser Zeit also rückt Bortenlänger an die Spitze einer deutschen Regionalbörse als "Anchorwoman" des bayerischen Parketthandels, das schöne Gesicht für Baisse und Hausse, bestaunt wie ein Wesen aus einer anderen Galaxie.

          Zehn Jahre später sitzt dieselbe Frau in ihrem Designerbüro, und vieles wirkt wie selbstverständlich. Frauen sind in Führungspositionen zwar heute nicht mehr ganz so exotisch wie damals, vor allem auf den unteren Ebenen steigt ihr Anteil. In der allerersten Reihe bleiben Chefinnen jedoch weiterhin die seltenen Ausnahmen.

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