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Chanda Kochhar : Vom ersten Gehalt einen Sari für Mama

„Frauen sollten nicht um Sonderbehandlung bitten”: Chanda Kochhar hat viel Flexibilität für die Karriere vorgelebt Bild: AP

Als Tochter von Flüchtlingen schaffte sie es bis an die Spitze von Indiens führender Bank: Chanda Kochhar ist ein Aushängeschild des Landes. Den Frauen rät sie, härter zu arbeiten.

          Zehn Stockwerke sitzt Chanda Kochhar über dem Elend, dem sie entgangen ist. Schaut sie durch das Fenster hinter ihrem Rücken, sieht sie tief unten den wabernden, brodelnden Slum. Blickt sie über ihren Schreibtisch hinweg, fällt ihr Blick auf einen geordneten Dachgarten. Chanda Kochhar ist aufgerückt. Schon zuvor verkehrte sie auf diesem Flur, in der obersten Etage von ICICI, der führenden Privatbank Indiens mit Sitz in der Finanzmetropole Bombay (Mumbai). Damals aber arbeitete sie noch ihrem Chef K. V. Kamath zu - dem selbstbewussten Leitwolf der indischen Unternehmenswelt. Vor einem knappen Jahr übernahm sie seine Position, seine Macht, sein Zimmer. Höher geht es nicht mehr hinaus. Das Magazin „Forbes“ stellt die Inderin an Nummer 20 der mächtigsten Frauen der Welt - vor die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton (36). Kochhar ist angekommen im Pantheon der indischen Davos-Liga, der Macher, der Antreiber. Sie zählt zu den Aushängeschildern des neuen Indien.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auf dem Weltwirtschaftsforum in Neu-Delhi wird sie nun von Trauben von Reportern belagert. Beim Besuch von Horst Köhler in Bombay zählt sie zum Quartett der Vorzeigemanager ihres Landes, ausgeschickt, dem Bundespräsidenten den Zukunftstraum Indien zu vermitteln. Von allen Zeitschriftentiteln lächelt eine Chanda Kochhar meist mit verschränkten Armen und im Sari, die für eine Botschaft steht: Seht her, auch im Land der Witwenverbrennungen und Unberührbaren können es Frauen mit Willen und Intelligenz bis nach ganz oben schaffen.

          Selbst der Ganesha scheint wie mit dem Lineal ausgerichtet

          Sie hat es nicht nötig, sich zu verleugnen. Ihr Seiden-Sari allein kostet mehrere Jahresgehälter eines Durchschnittsinders. Vier Diamantringe strahlen am Finger. Ihr Lächeln spiegelt sich in den Steinen der Smaragdkette und der schweren Ohrringe. Alles in ihrem Büro ist geordnet, aufgeräumt, fast klinisch. Selbst der Ganesha, der dickbäuchige Elefantengott, der Wohlstand und Erfolg bringt, scheint mit dem Lineal auf seinem Platz ausgerichtet. Der Vorhang zum Slum ist geschlossen, der Schreibtisch blank, die Chefin im Minutentakt verplant. Der Händedruck ist sanft, für Smalltalk aber bleibt keine Zeit. „Wie lauten Ihre Fragen?“, legt sie los und arbeitet die Antworten ab. Die klingen dann so: „Für Führungspersönlichkeiten ist jeder Zeitpunkt der richtige, um weitere Verantwortung zu übernehmen. Man muss vorbereitet sein.“

          Vor einer Herausforderung ist die 48-Jährige nie zurückgescheut, vorbereitet hat sie sich bis ins Detail. So war es auch bei diesem einen Moment, der ihre Karriere, ihr Leben bestimmen sollte: 1999 rief der große Vorsitzende Kamath die ambitionierte Jungmanagerin zu sich. Kochhar bekam eine Stunde für eine Präsentation. „Er fragte mich, wer mir das Thema gegeben habe. Und ich sagte: Ich selbst. Das war in unserem Unternehmen schon gewagt. Er aber erwiderte: Genau diese Antwort wollte ich von Ihnen hören. Wir brauchen Leute, die Eigeninitiative zeigen“, erinnert sie sich. „Das war sicherlich ein entscheidender Moment.“

          Alles verloren und bei null wieder angefangen

          Ihre Chance hatte sie beim Schopf ergriffen - so wie es schon die junge Chanda gelernt hatte. Denn geboren wurde sie als Kind einer Familie von Hindu-Flüchtlingen aus Karachi im heutigen Pakistan, Tochter eines Ingenieurs und späteren Hochschullehrers. Das war keine schreiende Armut, aber auch keine Garantie für einen steilen sozialen Aufstieg. „Bei uns herrschte eine akademische Atmosphäre, auf Bildung legten meine Eltern großen Wert“, erinnert sich Kochhar an die Jugend mit ihren zwei Schwestern und dem Bruder in Rajasthan. Auf dem Weg nach ganz oben arbeitete sie sich aus eigener Kraft voran. „Meine Eltern haben alles verloren, in Indien wieder bei null angefangen. Unter solchen Umständen lernen schon Kinder, Kleinigkeiten wertzuschätzen. Das behält man sein Leben lang bei“, sagt sie. So brachte es die Flüchtlingstochter auf das Jamnalal Bajaj Institute of Management in Bombay. Eigentlich wollte sie Beamtin werden. „Doch ICICI warb den jeweils Besten eines Jahrgangs für eine Trainee-Stelle an. Das war ich - und so bin ich direkt bei der Bank gelandet.“

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