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Ardi Goldman : Meister der 1B-Lage

Schrill und erfolgreich: Immobilienentwickler Ardi Goldman Bild: Frank Röth

Erst lebte er vom Erbe des Vaters, dann wurde Ardi Goldman selbst Projektentwickler und Investor. Am liebsten schafft er Räume, dieer in seiner Heimatstadt Frankfurt vermisst.

          What the fuck is Heimat?“ Tief im Frankfurter Ostend, in der sechsten Etage eines Bürohauses entspringt diese Frage in großen Lettern einer Wanduhr. Es ist ein Uhrenkasten in Form einer Hütte, mit rosa Herz und silberfarbenem Hirschkopf. Ardi Goldman hat sich die schräge Schwarzwalduhr-Version in eine Ecke seines Büros gehängt. Die Frage, was zum Teufel Heimat ist, steht quasi als Dauerthema im Raum, während das Alltagsgeschäft des Frankfurter Immobilieninvestors, Projektentwicklers, Gastronomie- und Hotelpatrons abläuft.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ich bin eine One-Man-Show“, sagt Goldman über sich. Das stimmt nicht ganz, immerhin beschäftigt er zurzeit 14 Mitarbeiter, und ist doch auch nicht falsch. Denn letztlich kümmert er sich um fast alles: den Kauf und Verkauf von Immobilien, die Planung neuer Projekte – „und das bis ins kleinste Detail“, die Kontrolle vor Ort. Goldmans Terminkalender ist immer voll. Auch an diesem Tag.

          Last Exit Fechenheim

          Er steht am Fenster, das Mobiltelefon am Ohr. Der Blick fällt hinunter, mitten ins Gewerbegebiet. Fechenheim – diese Adresse ist im überschaubaren Frankfurt schon weit draußen. In der Nachbarschaft stehen Legionen von Fahrzeugen eines Logistikunternehmens auf einem Riesenparkplatz, die Norddeutsche Fleischzentrale hat hier ebenso ihren Sitz wie eine lokale Großbäckerei. Drüben auf der anderen Seite des Mains liegt schon Offenbach. Richtung Westen erheben sich die hohen schlanken Türme der Banken.

          „Lebensraum für Frankfurt”

          „König des Ostends“ nennt man ihn in Frankfurt. Dieser Beinamen klingt nur vordergründig ehrerbietig, in jedem Fall nach Machtfülle und Einfluss, aber auch halbseiden und ein bisschen schmuddelig, ganz so wie es dem Image eines Immobilienentwicklers entspricht. Lieber wäre ihm „Bürger des Ostends“, sagt Goldman, darin schwingen Selbstbewusstsein und Verantwortung mit, Rechte wie Pflichten.

          Das UFO für Sven Väth entwickelt

          Doch den ungeliebten Majestäts-Titel wird er nicht los, seit er diese rauhe, abseitige Gegend der Stadt für sich und andere entdeckt und dort eine ganze Reihe von Immobilien entwickelt hat. Dazu zählt auch das UFO. Das Gebäude, dessen Form an ein Raumschiff der Außerirdischen erinnert, steht unweit des Firmensitzes der Goldman Holding. Es ist ein gewaltiger Betonkoloss, in dem Sven Väth, der Vater der Techno-Kultur, seinen Cocoon-Club betreibt und Sterne-Koch Mario Lohninger in der Küche des „Silk“ Regie führt, eines Großstadtrestaurants, wie es in Frankfurt kein zweites gibt.

          Müde, fast lustlos wirkt er, wenn es um seine Anfangszeit als Immobilienentwickler geht. Mit der Vergangenheit halte er sich nicht gerne auf, räumt Goldman ein. Dabei gebe es dazu manches zu sagen. Jedenfalls lag es nicht unbedingt nahe, dass er eines Tages das Erbe seines Vaters Benjamin, der im Frankfurt der Nachkriegszeit den Grundstein für das heutige Unternehmen gelegt hatte, nicht nur antreten, sondern erfolgreich weiterführen würde. Früh verlor der gebürtige Frankfurter den Vater durch einen Unfall. Drei Immobilien hinterließ er ihm. Vom Erbe habe er, der ein wildes undiszipliniertes Kind gewesen sei, lange bestens gelebt. Für das Geschäft begann er sich erst mit Anfang zwanzig zu interessieren, als eine der Liegenschaften plötzlich zum Problemfall wurde. Das war der Zeitpunkt, das „Lotterleben aufzugeben“. Goldman sanierte das Wohnhaus, einen Altbau – und ließ als Clou die Fassade rot streichen und mit einem Gedicht von Rilke verzieren. „Man muss sich abheben.“ Viel mehr sagt der Investor über seinen Einstieg ins Projektentwicklungsgeschäft nicht.

          „Ich will wissen, wofür ich bezahle“

          Am Telefon geht es derweil um einen Aufzug in einem der Hotels. Er war kaputt. Ein Anrufer will von Goldman wissen, wann dieser endlich die Rechnung für die Reparatur begleichen wird. „Bis auf weiteres nicht“, lautet die Antwort. Keine erhobene Stimme, kein unwirscher Ton, nur klare Worte, kurz und bündig. Nicht dass er sich grundsätzlich weigere, fügt Goldman hinzu, aber so lange unklar sei, wer eigentlich die Verantwortung für den Schaden trage, gebe es von ihm auch kein Geld. „Ich bin ein sparsamer Mensch, ich will wissen, für was ich bezahlen soll und warum.“

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