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Ardi Goldman : Meister der 1B-Lage

Da spricht der Kaufmann, der Goldman auch ohne Diplom ist und den man zunächst leicht übersieht, weil sich der siebenundvierzig Jahre alte Geschäftsmann auf dem Frankfurter Boulevard als bunter Hund inszeniert. Das Haar trägt er immer noch halblang, dazu Dreitagebart. Wie Fernsehmoderator Thomas Gottschalk wählt er mit zunehmendem Alter eine immer schrillere Garderobe. Zur Alltagstracht des Investors zählen unter anderem Cowboystiefel, Jeans, weißes Hemd, Weste und Silberkettchen. Seine grellbunten, manchmal geblümten Ausgehanzüge, Lederhemden und Cowboy-Hüte sind in den lokalen Klatschspalten immer noch einen Kommentar wert. Da Goldman gerne feiert und ausgeht, liefert er reichlich Stoff, im wahrsten Sinn des Wortes.

Goldman kämpft fürs „Recht auf Feste“

Aufzufallen sei letztlich Teil des Geschäfts, sagt er mit Blick auf die Nähe zu den Entscheidungsträgern einer Stadt. Sie ist für Erfolg im Immobiliengeschäft unentbehrlich. Er wolle gar nicht wissen, wie Politik funktioniere, aber er habe begriffen, dass Politiker sich gerne mit erfolgreichen Menschen umgeben, mit Menschen die polarisieren. So scheut er nicht vor starken Worten zurück, besteht via Presse auf sein „Recht auf Feste“, zetert über „kleinkarierte Bürger“ und poltert auch mal über eine „unfaire Vergabepraxis“, wenn er bei einem Projekt nicht zum Zug kommt.

Angesichts so viel demonstrativer Öffentlichkeit überrascht Goldman im persönlichen Gespräch mit freundlicher Reserviertheit. Er ist Meister darin, mit vielen Worten nur wenig über das Projektentwicklergeschäft und seine Spielregeln preiszugeben. Auf Fragen nach der Anzahl seiner Immobilien antwortet er mit Achselzucken. Sich bedeckt zu halten ist für einen lokalen Akteur wie ihn wesentlich. Man muss den Markt genau kennen, wissen, wem welche Liegenschaften gehören, wer eventuell Verkaufs- oder Kaufabsichten hegt, im Gespräch sein, und darf sich selbst nicht in die Karten schauen lassen.

Wohnen in der Diamantenbörse

Goldman liebt es, über das zu reden, was für ihn den Sehnsuchtsort Stadt ausmacht. Unter der schrillen Uhr in seinem Büro hängt ein kleines Porträt in leuchtenden Farben, das den Unternehmer mit wirrem Haar, den Blick in die Ferne gerichtet zeigt. „Der Visionär“, lautet der Titel. Das ist ganz nach seinem Geschmack. Visionär nennen ihn Freunde und Projektpartner, weil er es vermag, die Möglichkeiten und Entwicklungschancen von Räumen und Standorten zu erkennen, die in der Wahrnehmung der Branche bestenfalls als 1B-Lagen gelten. Goldman hat Talent dafür, für Orte Nutzungskonzepte zu entwickeln, für die anderen jede Idee fehlt und die nicht von der Stange zu haben sind.

Sein jüngstes Vorhaben ist dafür ein Paradebeispiel. Unweit der Einkaufsstraße „Zeil“ will er zusammen mit dem Architekten Christoph Mäckler einen Büroklotz aus den siebziger Jahren, die alte Diamantenbörse, in ein Wohn- und Geschäftshaus umbauen. An die 100 Wohneinheiten sollen entstehen, zum Teil mit Deckenhöhen von bis zu sechs Metern. Die Lage ist zentral und doch abseits, das Gebäude hat keinem seiner früheren Eigentümer Freude bereitet.

Gewinne sichern - nicht maximieren!

Dass die Verwandlung gelingt, traut man Goldman zu, seit er mit der Revitalisierung eines vormaligen Brauereigeländes sein Meisterstück abgelegt hat. Das Projekt machte ihn, den lokalen Entwickler, auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. An der Hanauer Landstraße im Frankfurter Ostend verwandelte er das einstige Grundstück der Union Brauerei durch Sanierung der alten Backsteingebäude und Neubauten in eine Mini-Stadt mit Büros, Diskothek, Läden und Restaurants – und etablierte damit die Hanauer Landstraße als Ausgehmeile. Sich selbst ließ er ein Wohnhaus aus Holz aufs Flachdach eines jener Häuser bauen.

An diesem Vorhaben kann man ablesen, was dem Immobilienentwickler wichtig ist: Kleinteiligkeit und „Gewinnsicherung, nicht -maximierung“. Für einen wie ihn sei es schwierig, Investoren zu finden, klagt er. Anlagestrategen wollten immer vergleichbare Beispiele sehen, um durchrechnen zu können, ob sich ein Investment lohne. „Der Witz an meinen Projekten aber ist ja gerade, dass es so etwas noch nicht gibt.“ Wenn er baue, dann schaffe er am liebsten Räume, die ihm persönlich in seiner Stadt fehlen, sagt Goldman. Die Frage, was zum Teufel Heimat ist, hat er für sich längst beantwortet.

Zur Person:

- Ardi Goldman wird 1962 in Frankfurt geboren. Er verbringt einige Jahre in Israel, kehrt aber noch als Kind in die Stadt am Main zurück.

- Nach dem Realschulabschluss reist er um die Welt. Ein monatlicher Scheck aus dem Nachlass seines Vaters Benjamin ermöglicht das.

- Mit 24 Jahren nimmt der Erbe die Herausforderung an, steigt ins Geschäft ein und macht als kreativer Entwickler von sich reden.

- Als Meisterstück gilt die Revitalisierung eines ehemaligen Brauereigeländes im Frankfurter Ostend.

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