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Andreas Rudolph : Helfer in der Not

  • -Aktualisiert am

Mal Glucke, mal Rauhbein: Andreas Rudolph genießt Respekt, im Sport wie im Gesundheitswesen Bild: Anna Mutter / F.A.Z.

Als Mäzen und Macher mischt er die Handballszene auf. In sein Unternehmen GHD lässt sich Andreas Rudolph auch von Finanzinvestoren nicht hineinreden.

          Ein Blick genügt, um zumindest eine große Leidenschaft von Andreas Rudolph zu erkennen. Während andere Unternehmer die Wände ihrer Besprechungszimmer mit moderner Kunst oder mit Bildern aus dem eigenen Betrieb zieren lassen, umgibt sich der Chef der Gesundheits GmbH Deutschland (GHD) mit Originaltrikots von Handballprofis. Bevorzugt von Spielern des HSV Handball, jenem Bundesliga-Verein aus Hamburg, der vor sieben Jahren noch am Abgrund taumelte, bis Rudolph kam.

          Als Präsident und Sponsor hievte der heute 55 Jahre alte Unternehmer den Verein in eine neue Dimension - und sich selbst in die Schlagzeilen der Sportpresse. Handball war schon immer ein gutes Feld für markante Typen, und Rudolph, der den Stallgeruch eines ehemaligen Profis und Zweitligatrainers mitbrachte, passte wunderbar in dieses Feld der rauhbeinigen Macher, die sich sowohl wie eine Glucke vor ihre Spieler stellen, wenn sie Ungerechtigkeiten wittern, aber auch in aller Härte Teammitglieder austauschen, wenn es dem Erfolg dienen soll.

          Auch in Hamburg wird er auf der Straße erkannt

          Nach mehreren Pokaltriumphen und Vizemeistertiteln wird der in der Handball-Hochburg Gummersbach geborene Unternehmer Rudolph auch in Hamburg inzwischen auf der Straße erkannt, „leider“, wie er beteuert, obwohl in einer solchen Bemerkung ein wenig Koketterie mitschwingt. Mit anderen bekannten Mäzenen des Profisports wie Uli Hoeneß und Dietmar Hopp, die als Unternehmer ebenfalls Erfolg hatten, will er sich nicht vergleichen, höchstens Respekt für deren Leistung bekunden. Aber der Unternehmer gehört doch in diese Reihe der Selfmademänner, die vom Ehrgeiz angetrieben werden, alles, was sie anpacken, auch zum Erfolg zu bringen, im Betrieb wie im Sport. Wobei Rudolph die Devise ausgibt: „Die GHD hat klare Priorität vor dem Handball.“

          Eine solche Aussage wirkt nur deshalb erstaunlich, weil das Unternehmen - anders als der HSV Handball - bislang in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Dabei hatte Rudolph schon früh eine attraktive Marktlücke erkannt und genutzt, als er 1992 mit 35 000 Mark Startkapital sein Unternehmen Home Service Care (HSC) gründete. Zuvor hatte er als wissenschaftlicher Außendienstmitarbeiter von Hoechst und später als Vertriebsleiter des dänischen Konzerns Coloplast die Strukturen des deutschen Gesundheitswesens in all seinen Facetten erlernt. Nun wollte er seine eigene Vision umsetzen: ein bundesweit einzigartiges Versorgungsnetzwerk für schwerkranke Menschen, die viel therapeutische Betreuung benötigen, etwa weil sie einen künstlichen Darmausgang bekommen haben. Dafür gab er die Sicherheiten eines gut bezahlten Jobs auf und auch die Zeit für den geliebten Wintersport oder die Runden auf dem Golfplatz (Handicap 16).

          Die älter werdende Bevölkerung als wichtige Triebfeder

          Kliniken in Dresden und Erfurt gingen kurz nach der Wende gern auf das neue Versorgungsangebot ein, „es war ein bisschen El-Dorado-Zeit“, erinnert sich Rudolph. Und wie bei so vielen Unternehmern kam zur guten Idee auch noch das nötige Quentchen Glück dazu. Das Unternehmen wuchs und verbreiterte sein Angebot, übernahm andere Betriebe und firmierte im Jahr 2006 in die GHD Gesundheits GmbH Deutschland um. Ein Name, der große Ansprüche signalisiert. „Wir waren schon sehr erstaunt, dass dieser Begriff damals noch von niemandem geschützt war“, sagt er mit einem Schmunzeln.

          Heute ist GHD auf diesem Feld Marktführer, betreut mit rund 700 Außendienstmitarbeitern nicht nur Tausende Krebs- und Stomapatienten in deren eigenen vier Wänden, sondern hat unter dem Firmendach auch eine Versandapotheke, einen Logistiker und einen Produzenten von Nahrung für Menschen mit künstlichen Darmausgängen versammelt. Die älter werdende Bevölkerung ist die wichtigste Triebfeder für Rudolphs Geschäftsmodell, in den nächsten Jahren wird insbesondere die Zahl der an Krebs Erkrankten wohl weiter deutlich steigen. Sowohl Kassenpatienten als auch Privatversicherte werden versorgt. Bis Ende dieses Jahres soll die Mitarbeiterzahl von derzeit 1500 auf mehr als 2000 Menschen wachsen.

          Lieber mit Menschen arbeiten, statt für einen Ölkonzern

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