https://www.faz.net/-gyl-13g2d

Alejandro Fernández : Von der Rübe zur Rebe

  • -Aktualisiert am

So entdeckte die Fachwelt die Weine eines unbekannten Seiteneinsteigers, dessen Weingut nicht mit dem Klang der althergebrachten und damals noch hoffnungslos zurückgebliebenen Nobelgüter aus Rioja auftreten konnte und der dazu noch aus einer damals noch nicht einmal zweitklassigen Weinbauregion kam.

Der Erfolg kam nicht von ungefähr. „Pesquera“ traf Parkers Geschmack, und dieser setzt bis heute weitgehend den Maßstab in der Weinwelt. Parker bevorzugte fruchtige, alkoholbetonte Weine, wie sie Fernández erzeugt, während Bordeaux damals noch absichtlich unreife Trauben in die Weine mischte – die zusätzliche Säure sollte die Weine länger haltbar machen.

2 Millionen Flasche im Jahr reichen nicht

Es muss viele in Spaniens Wein-Noblesse verbittert und mit Neid erfüllt haben, dass ausgerechnet Alejandro Fernández, ein Parvenü aus der Provinz, ein ungebildeter Niemand, der kaum einen Schulabschluss vorzuweisen hatte, aus dem Nichts ein Weingut aufgebaut hat, das auf der internationalen Bühne die alten aristokratischen Schlösser, die häufig auf eine erdrückende Vergangenheit verweisen konnten, in den Schatten stellte.

Der internationale Erfolg katapultierte Fernández regelrecht nach oben. Er gründete ein zweites Weingut, „Condado de Haza“. Dann kaufte er die „Dehesa la Granja“, und schließlich gründete er ein weiteres Weingut, „El Vínculo“, in der einst unter Kennern verschrienen Region La Mancha, die seitdem jedoch bewiesen hat, dass auch dort große Weine entstehen können. Mehr als 800 Hektar Weinberge besitzt er heute. Rund 2 Millionen Flaschen Wein verkauft er Jahr für Jahr. Damit kommt er auf einen Umsatz von gut 20 Millionen Euro. Doch die Wirtschaftskrise bekommt er kaum zu spüren: „Wir erzeugen weniger, als wir verkaufen könnten“, sagt Fernández.

Ein Château in Spanien

Dank seines Erfolgs gewann auch die Region Ribera del Duero an Prestige, ein unwirtliches Gebiet mit heißen Sommern und eisigen Wintern. Erst 1982 wurde es offiziell als Denominación de Origen anerkannt. Heute gelten die Weine aus Ribera del Duero als denen aus Rioja zumindest ebenbürtig.

Schon sein Aufstieg vom einfachen Landarbeiter zum Maschinenfabrikanten wäre eine Erfolgsgeschichte für sich gewesen. Doch Fernández knüpfte noch eine zweite Karriere an. Mit „Condado de Haza“ erfüllte er sich einen persönlichen Traum: Er wollte ein Château gründen, wie sie für Bordeaux typisch sind. Um 220 Hektar Weinberge baute er ein herrschaftliches Schloss. 300 Besitzer, die meisten Bauern, hatten die unterschiedlichen Parzellen besessen. Zwölf Jahre hartnäckige Verhandlungen mit jedem einzelnen Eigentümer hat es Fernández gekostet, um eine geschlossene Fläche zusammenzukaufen, die nun eingefriedet ist. Seine vier Töchter arbeiten heute im Betrieb, die alle verheiratet sind und Fernández elf Enkel schenkten. Eine der Töchter lebt heute mit ihrer Familie auf „Condado de Haza“.

Zwei Gläser Wein am Tag gegen die Krise

Das Château ist auch ein äußerliches Zeichen seines Erfolgs. Doch den Lebensstil der großen Gutsbesitzer im Bordelais, die nur selten anreisen und den Betrieb ansonsten Verwaltern überlassen, ahmte Fernández nicht nach. Er bewahrte sich den einfachen Lebensstil seiner Kindheit. Noch heute geht er täglich in die Weinberge und bearbeitet die Weinstöcke. Den kräftigen Händedruck von Menschen, die es gewohnt sind, hart zuzupacken, hat er sich so bewahrt. Auch im hohen Alter will er mit dieser Gewohnheit nicht brechen. Seine Angestellten bewundern seine Konstitution. Da überlässt er lieber schon die lästige Betriebsführung seinen Töchtern. So studierte Eva-Maria, die Jüngste, Weinbau an den Universitäten in Madrid und Bordeaux. Sie ist heute wohl seine engste Beraterin.

„Meine Arbeit ist mein Leben“, sagt Fernández und greift selbst gern zu seinen Weinen. „Wenn man ein Glas trinkt, will man noch eins“, sagt der Winzer, der schon am Vormittag zum späten Frühstück gerne ein paar Schlucke genießt. Weil das Klima so trocken sei, müsse er wenig Schwefel einsetzen, um Pilze fernzuhalten. Deshalb verursachten seine Weine auch keine Kopfschmerzen.

Sein Lebensrezept in diesen harten Zeiten ist deshalb einfach: „Man muss jeden Tag zwei Gläser Wein trinken, um für die Krise gestärkt zu sein.“

Zur Person:

- Alejandro Fernández wird 1932 in Pesquera geboren, einem Dorf 200 Kilometer nördlich von Madrid. Schon im Alter von 13 Jahren muss er die Schule verlassen und arbeitet zunächst als Landarbeiter, später als Tischler und Mechaniker.

- Bis 1973 verkauft er Landmaschinen, die er zum Teil selbst konstruiert. 1972 gründet er sein Weingut. 1975 kommt „Pesquera“, sein erster Wein, auf den Markt.

- Heute besitzt Fernández vier Weingüter, mehr als 800 Hektar Weinberge und erzeugt jedes Jahr gut 2 Millionen Flaschen Wein

Weitere Themen

Topmeldungen

Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.
Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.